Die Umweltkosten der Kernenergie

Fossile Energieträger müssen aufgrund des Klimawandels schnellstmöglich aus dem Energiesystem genommen werden. Doch um die Stromversorgung zu sichern und zugleich das Energiesystem zügig zu dekarbonisieren, reicht das realistisch und innert nützlicher Frist umsetzbare Potenzial der erneuerbaren Energien nicht aus. Die Kernenergie bleibt als einzige valable Partnerin für die Erneuerbaren. Valabel, weil sie nicht nur zuverlässig grosse Mengen am nötigen klimafreundlichen Strom liefern kann, sondern auch weil sie insgesamt eine weitgehend ökologische Technologie ist.

Die nicht vom Verursacher gedeckten Schäden an Schäden an Mensch und Natur aus der Stromerzeugung lassen sich vor allem anhand folgender Kriterien vergleichen:

  • Luftverschmutzung Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden Schadstoffe wie Partikel/Feinstaub, bodennahes Ozon, Schwefeloxide, Stickoxide und Blei. Sie schädigen die Atemwege sowie den Herz-Kreislauf und führen bis hin zu frühzeitigem Tod. Die Kosten dieser Schäden sind die grössten nicht-internalisierten Umweltkosten der Stromerzeugung. Die Luftverschmutzung ist gemäss Weltgesundheitsorganisantion (WHO) das grösste einzelne Gesundheitsrisiko aus der Umwelt überhaupt. Die Kernenergie emittiert kaum Luftschadstoffemissionen.
  • Klimaerwärmung Die Erwärmung des Klimas durch Treibhausgase hat grosse Auswirkungen auf die Lebensumstände zahlloser Menschen auf der Welt: Steigende Meeresspiegel, häufigere und längere Hitzewellen, grössere Extremwetterereignisse wie Stürme und Starkregen. Wie hoch die ökologischen und sozialen Schadenskosten dieser Auswirkungen sein werden, ist noch ungewiss. Das United Nations Development Programme (UNDP) schätzte im Jahr 2016, dass die Schäden des Klimawandels 33 Billionen US$ resp. ein Viertel des globalen Inlandproduktes verschlingen werden, sofern es uns gelänge, die Erwärmung auf 1,5% zu begrenzen, so die OECD-NEA. Der Weltklimarat (IPCC) weist in seinem fünften Assessment Reports ausdrücklich darauf hin, dass der nukleare Anteil an der globalen Energieerzeugung deutlich zunehmen muss, wenn das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden soll.
  • Landverbrauch Ein Kernkraftwerk der Grösse Leibstadts braucht nur rund 20 Hektaren Land, um ein Sechstel des ganzen Schweizer Strombedarfs zu erzeugen. Wind- oder Wasserkraft greifen weit mehr in Landschaften ein. Auch das Mining von Uran nimmt vergleichsweise wenig Raum in Anspruch. Es wird oft zusammen mit anderen Rohstoffen wie Kupfer, Silber, Gold oder Vanadium abgebaut, was den Landbedarf relativiert.
  • Schwere Unfälle Schwere Unfälle im Energiebereich, seien sie durch Naturkatastrophen oder vom Menschen verursacht, haben Auswirkungen auf Mensch, Natur und Wirtschaft. Die Umweltkosten aus schweren Unfällen sind aber selbst bei fossilen Technologien viel tiefer als jene aus dem Normalbetrieb (Luftverschmutzung, Treibhausgasemissionen). Diese Umweltkosten des Normalbetriebes übersteigen die Kosten der anderen Phasen des Lebenszyklus (Mining, Entsorgung) ebenso wie die Kosten schwerer Unfälle um mindestens eine Grössenordnung. Im Gegensatz zu den fossilen Energietechnologien weist die Kernenergie aber auch im Normalbetrieb sehr geringe externe Kosten auf. Die Entsorgungskosten der Kernenergie wiederum sind keine externen Kosten, denn sie sind bereits internalisiert. Die meisten schweren Unfälle in den OECD-Ländern ereignen sich in der Kohlekette, gefolgt von Öl und Erdgas, Wasserkraft und Windkraft. In Kernkraftwerken der OECD gab es bislang keinen schweren Unfall mit mehr als fünf Todesfällen. Aus der weltweiten Perspektive zu nennen sind die Unfälle in Three-Mile-Island (keine Todesfälle), Tschernobyl und Fukushima (keine Todesfälle durch Strahlung, jedoch evakuationsbedingte Gesundheitseffekte).
  • Erschöpfung natürlicher Ressourcen Nachhaltige Entwicklung fordert, dass keine natürlichen Ressourcen erschöpft werden dürfen. Nachkommende Generationen haben ebenso das Recht wie die heutige und frühere, diese Ressourcen weiter zu nutzen. Wie weit die bekannten und geschätzten noch unbekannten Reserven dieser Ressourcen bei welchem Verbrauch noch reichen, wird seit vielen Jahren diskutiert. Tatsächlich haben die gesicherten Reserven über die letzten 35 Jahre aber mehr zugenommen als Förderung und Verbrauch, da auch die Explorations- und Fördertechniken sich stark verbessert haben. Im Fall der Kernenergie reichen die heutigen bekannten Ressourcen bei gleichbleibendem Verbrauch rund hundert Jahre, mit neuen Reaktortechnologien (Brüter, Thorium) auch tausende von Jahren.

Umweltbelastungen von Stromerzeugungsanlagen im Vergleich

Die Ökobilanzen der weltweit renommierten PSI-Forschung basieren auf Lebenszyklusanalysen von Stromproduktionsanlagen. Dabei werden sämtliche Material- und Energieflüsse von der Gewinnung der Rohstoffe über den Betrieb bis und mit Entsorgung aller Abfälle erfasst. Hier die Ergebnisse der Analysen für die heutige Schweizer Stromerzeugung:

Die Grafik zeigt, dass alle erneuerbaren Technologien ebenso wie die Kernenergie unterschiedliche Umweltbelastungen mit sich bringen. Wasserkraft schneidet insgesamt als sauberste Energie ab, Biogas am schlechtesten. Bei der Kernenergie fällt die ionisierende Strahlung auf. Ansonsten ist die Ökobilanz der Kernenergie durchaus vergleichbar mit jener erneuerbarer Energien.