Medienmitteilung

26. November 2020

Risikobericht 2020 des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS): Strommangellage weiterhin grösstes Risiko

Heute ist der Risikobericht 2020 des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz erschienen. Wie bereits im Risikobericht 2015 wird darin eine anhaltende Strommangellage im Winter als grösstes Risiko identifiziert. Dies unterstreicht die fundamentale Bedeutung der Stromversorgungssicherheit für das Funktionieren der Schweiz. Es ist zentral, alle heimischen Stromquellen zu nutzen und zu bewahren. Auch die Kernenergie, die ein Drittel des klimafreundlichen Schweizer Stroms liefert.

Am 26. November ist der Risikobericht 2020 des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz publiziert worden. Darin werden 44 bevölkerungsschutz-relevante Gefährdungen auf ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und auf das mögliche Schadensausmass analysiert.

Als grösstes Risiko wurde – wie im Risikobericht 2015 - eine schwere Strommangellage identifiziert, also eine Stromunterversorgung von 30 Prozent während mehrerer Monate im Winter. Die Wirtschaftsschäden dieses Szenarios wurden sogar höher eingestuft als 2015, während die erwarteten Personenschäden etwas reduziert wurden. Insgesamt wäre mit einem Schaden von rund 180 Milliarden Franken zu rechnen. Die Häufigkeit für das Auftreten eines derartigen Ereignisses hat sich seit 2015 nochmals verschärft. Sie wird auf einmal in 30 bis 50 Jahren geschätzt: eine besorgniserregend hohe Wahrscheinlichkeit.

Sichere Stromversorgung ist fundamental
Die Einstufung der Strommangellage als grösstes Risiko ist verständlich. Ein Stromausfall würde eine schwere Landeskrise mit immensen Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft auslösen. Der Stromversorgungssicherheit ist daher grösste Sorge zu tragen. Die bestehende fundamentale Infrastruktur aus über 90 Prozent Wasserkraft und Kernenergie muss deshalb erhalten bleiben, während weitere klimafreundliche Stromerzeugung erschlossen wird. Diese wichtige Aufgabe erfordert vollen Rückhalt der Politik.

Bestehende Kernkraftwerke sind unentbehrlich
Die bestehenden Kernkraftwerke erzeugen im Jahresdurchschnitt ein Drittel und im Winter bis zur Hälfte des Schweizer Stroms – unabhängig von Wetter, Tages- und Jahreszeit. Gerade im Winter ist ihr Strom unentbehrlich, da er nicht nur zuverlässig verfügbar, sondern auch klimafreundlich ist. Der Langzeitbetrieb der bestehenden Schweizer Kernkraftwerke trägt deshalb auch entscheidend dazu bei, die Importabhängigkeit der Schweiz zu minimieren. Dank hoher Inlandproduktion ist die Kernenergie – zusammen mit der Wasserkraft – ein zentraler Pfeiler der Versorgungssicherheit. Es ist deshalb essentiell, weiterhin alle klimafreundlichen Stromquellen zu nutzen, um die Stromversorgung stabil und bezahlbar zu sichern.

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, medien@swissnuclear.ch.

06. November 2020

swissnuclear Tag der Forschung: Schweizer Kernforschung ist weiterhin Spitze

Am 5. November hat der swissnuclear «Tag der Forschung» stattgefunden – pandemiebedingt im virtuellen Raum und mit einer reduzierten Zahl von Forschern und Forschungsprojekten. Die präsentierten Arbeiten zeugen vom international sehr hohen Niveau der Schweizer Kernforschung. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse für die weitere Optimierung des sicheren Betriebs der Kernkraftwerke, des Langzeitbetriebs und Alterungsmanagements sowie für die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle.

Nuclear Engineering wird an den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Lausanne und Zürich unterrichtet. Das dazugehörige Zentrum der Schweizer Kernforschung befindet sich am Paul Scherrer Institut in Villigen im Aargau. Der Forschungsbereich Nukleare Energie und Sicherheit umfasst sieben Forschungslabore, die 230 hochqualifizierte Wissenschaftler und Techniker beschäftigen. Davon sind rund 50 Doktoranden und 30 Post-Docs. Hinzu kommen weitere 50 Mitarbeiter im Bereich Strahlenschutz und Rückbau. Die Betreiber der Kernkraftwerke unterstützen seit jeher Forschungstätigkeiten dieser Labore.

Am swissnuclear «Tag der Forschung» wird jeweils eine aktuelle Auswahl von Forschungsarbeiten präsentiert. Dieser als Ausstellung und Austauschveranstaltung für die Branche, Hochschulen, Wirtschaft und interessierte Öffentlichkeit gedachte Event war letzten Frühling im Kernkraftwerk Leibstadt geplant, musste aber aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Nun wurde er in den virtuellen Raum verlegt, und ein erster Teil des Programms fand am 5. November statt.

Nuklearer Kompetenzerhalt ist zentral für die Sicherheit

Die wesentlichen Schwerpunkte der Schweizer Nuklearforschung am PSI liegen im Bereich des sicheren Betriebs der Schweizer Leichtwasserreaktoren, der Materialforschung und des Alterungsmanagements sowie der Langzeitsicherheit bei der geologischen Tiefenlagerung.

Forschungsbereichsleiter Prof. Andreas Pautz betont die anhaltende Bedeutung dieser Forschungsaktivitäten für die Schweizer Kernkraftwerke:

«Die meisten der am Tag der Forschung präsentierten Forschungsprojekte setzen sich mit nuklearer Sicherheit auseinander, ob im Normalbetrieb der Kernkraftwerke, unter Störfall-szenarien oder für die geologische Tiefenlagerung. Einen hohen Stellenwert haben dabei die einzigartigen wissenschaftlichen Infrastrukturen des PSIs, wie z.B. die Hotzellen und thermohydraulischen Versuchsstände. Jedes Projekt trägt zur Ausbildung von hoch spezialisierten Wissenschaftlern bei. Ihre Arbeit ist wiederum essentiell, um die Sicherheits-standards in den Werken auf ihrem hohen Niveau zu halten. Die Forschungsprojekte sind somit für den Kompetenzerhalt und die Nachwuchsförderung zentral.»

Am 5. November wurden das Forschungslabor für Reaktorphysik und Thermohydraulik und jenes für Entsorgung vorgestellt sowie sechs Projekte aus diesen Laboren. So wurde z.B. ein Modell zur akkuraten Berechnung der Wärmentwicklung abgebrannten Nuklearbrennstoffs präsentiert; diese Grösse ist wichtig, um den sicheren Einschluss des Brennstoffs im geologischen Tiefenlager garantieren zu können. Des Weiteren wurden die Forschungsaktivitäten des PSI zu fortgeschrittenen Brennstab-Hüllrohren gezeigt, die bei Störfallszenarien einen besseren Schutz gegen die Freisetzung von Radioaktivität gewährleisten sollen. In beiden Bereichen führt das PSI sowohl experimentelle Arbeiten als auch umfangreiche Computersimulationen durch.

Schweizer Kernforschung bleibt international am Ball

Die Schweizer Kernforschung wirkt an der Spitze der internationalen Kernforschung weiter mit. Ein grosser Teil der Forschungsarbeiten findet im Rahmen internationaler Projekte und auf Basis multi- oder bi-nationaler Zusammenarbeiten statt, insbesondere im europäischen Forschungsverbund (EURATOM), gemeinsam mit den Mitgliedstaaten der OECD Nuclear Energy Agency, und in koordinieren Forschungsprogrammen der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA). So forscht das PSI z.B. im Rahmen von EURATOM an Sicherheitsmerkmalen und Nachhaltigkeitsaspekten zukünftiger fortschrittlicher Reaktoren, beispielsweise den sog. Small Modular Reactors (SMR), und an der Optimierung und Schliessung des Brennstoffkreislaufs.

Kernenergie wird mittlerweile als klimafreundliche Energiequelle anerkannt, die einen Teil zur Lösung des Problems Klimawandel beitragen kann. Das ist mit ein Grund, warum Kerntechnik weiterhin Forscher quer durch die Generationen fasziniert und motiviert. Doktorand Alexander Wolfertz ergänzt: «Was mich an der wissenschaftlichen Arbeit im nuklearen Bereich aber am meisten fasziniert, sind die sowohl wissenschaftlich als auch technisch anspruchsvollen Problemstellungen. Die oft sehr herausfordernden Bedingungen, wie hohe Radioaktivität und Drucke, erfordern manchmal sogar für ansonsten alltägliche Probleme neuartige Lösungsansätze.»

Das Datum des zweiten und dritten Teils des swissnuclear «Tags der Forschung» wird auf der Webseite von swissnuclear angekündigt.

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, medien@swissnuclear.ch.

12. Oktober 2020

Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke unabdingbar für die Energiestrategie 2050

Soll die Schweiz weiterhin mit ausreichend klimafreundlicher Energie sicher versorgt werden, bleiben die Kernkraftwerke noch über Jahrzehnte unerlässlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der dazu nötigen Speichersysteme wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Bis dahin bleiben die Kernkraftwerke ein wichtiges Standbein der Energiestrategie 2050. Insbesondere können sie noch über viele Jahre einen grossen Anteil an den wichtigen Winterstrom liefern. Dafür sind sie technisch bestens gerüstet. Ihre Sicherheit ist heute höher denn je.

Die bestehenden Schweizer Kernkraftwerke dürfen gemäss Gesetz und entsprechend dem Volkswillen so lange weiter betrieben werden, wie sie sicher sind. Drei von vier Reaktoren befinden sich bereits heute im Langzeitbetrieb. Das heisst, sie sind seit mehr als 40 Jahren am Netz. Was der Langzeitbetrieb bedeutet, erläutert das Positionspapier von swissnuclear.

Langzeitbetrieb ist heute schon Realität
Schweizer Kernkraftwerke können ohne Probleme sogar länger als 50 Jahre in Betrieb stehen. Der Langzeitbetrieb ist sicherheitstechnisch gewährleistet dank konstanter Instandhaltung, ständiger Nachrüstungen und Modernisierungen sowie höchsten Sicherheitsstandards. Einerseits ermöglichen die Betreiber den Langzeitbetrieb durch ein umsichtiges Alterungsmanagement. Andererseits wird er vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI gestützt, das laufend entsprechende regulatorische Ansprüche formuliert und die Sicherheit der Kernkraftwerke ständig überprüft.

Wesentlicher Erfolgsfaktor für die Energiestrategie 2050
Um die sichere Versorgung der Schweiz mit klimafreundlicher Energie zu erhalten, sind Kernkraftwerke mittelfristig unabdingbar. Sie sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele der Schweiz. Intermittierende erneuerbare Energien können die zuverlässige Kernkraft solange nicht ersetzen, bis es eine wirtschaftlich und ökologisch verträgliche Lösung für die saisonale Speicherung gibt. Der Langzeitbetrieb trägt somit auch dazu bei, die risikobehaftete Importabhängigkeit der Schweiz zu minimieren.

Der Bundesrat strebt bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgase auf netto Null an. Diese Dekarbonisierung erfordert zusätzlich zur heutigen Schweizer Stromerzeugung grosse Mengen an Strom. Dabei wird jede Kilowattstunde klimafreundlicher Strom zählen. Die Kernenergie muss deshalb möglichst lange erhalten bleiben. Der Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke ist daher unabdingbar für die klima- und energiepolitischen Ziele der Schweiz.

Für weitere Auskünfte und Hintergrundgespräche: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, medien@swissnuclear.ch.

06. Oktober 2020

Sachplan geologische Tiefenlager: Das Kombilager ist am sinnvollsten

Die schwach- und mittelaktiven sowie die hochradioaktiven Abfälle aus den Kernkraftwerken, Medizin, Industrie und Forschung können entweder in zwei getrennten oder in einem Kombilager sicher entsorgt werden – vorausgesetzt, dass ein Kombilager die Sicherheit nicht beeinträchtigt. Nun zeigt ein neuer Bericht der Nagra, dass ein Kombilager aus ökologischer und ökonomischer Sicht am meisten Sinn macht. Deshalb befürwortet auch swissnuclear prinzipiell den Bau eines Kombilagers.

Anfang Oktober hat die Nagra den Arbeitsbericht NAB 19-15 publiziert. Darin macht sie einen standortunabhängigen Vergleich zwischen einem Kombilager und zwei Einzellagern hinsichtlich Bau- und Betriebsabläufe sowie Umwelt. Das Fazit zeigt klar: Ein Kombilager hat dank gemeinsamer Nutzung von Erschliessungen, Sicherungssystemen, Anlieferungsinfrastruktur und Zugangsbauwerken einen geringeren Platzbedarf, geringere Bauvolumina und geringere Ausbruchmengen. Es verbraucht zudem gesamthaft weniger Energie und Ressourcen als zwei Einzellager. Aus ökologischer Sicht macht das Kombilager deutlich mehr Sinn als getrennte Lager an zwei Standorten.

Das Kombilager ist eine betriebstechnisch vorteilhafte Lösung

Auch betriebsstechnische Gründe sprechen für die Variante Kombilager. Denn dasselbe Betriebspersonal kann bereits beim Einlagerungsbetrieb des Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle Erfahrung und Knowhow gewinnen. So kann es im nachfolgenden Betrieb des Hochaktivlagers noch professioneller, effizienter und flexibler eingesetzt werden. Zudem können Synergien bei der geologischen Erkundung des Untergrunds für beide Lagertypen genutzt werden.

Die Erkenntnisse des Berichtes bekräftigen die Einschätzung der Kernkraftwerksbetreiber. Sie sprechen sich für das Kombilager als umwelt- und ressourcenschonendste Lösung aus.

Entsorgungspflichtige am Zug

Gemäss Konzeptteil des Sachplans geologische Tiefenlager (BFE 2008) sind Aspekte der Raumnutzung, Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft jenen der Sicherheit nachgeordnet. Falls ein Kombilager keine sicherheitsrelevante Beeinträchtigung darstellt – der Bericht der Nagra weist eher auf Vorteile hin – so ist es gemäss ENSI (2018) den Entsorgungspflichtigen überlassen, bei ihrer Abwägung und gesamtheitlichen Betrachtung weitere Aspekte beizuziehen. Kommt das Kombilager letztlich auch kostengünstiger zu stehen als getrennte Lager, so profitieren davon nicht nur die Betreiber, sondern auch der Bund.

 

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24. März 2020

Covid-19 Pandemie: Sicherer Betrieb der Kernkraftwerke ist gewährleistet

Kernkraftwerke gehören zu den kritischen Infrastrukturen von nationaler Bedeutung. Sie sind ein zentraler Pfeiler der Schweizer Stromversorgung und damit für die Bevölkerung und Wirtschaft von grundlegender Bedeutung. Die Betreiber gewähr-leisten den sicheren Betrieb der Anlagen auch in der aktuell aussergewöhnlichen Lage. Dies bestätigt auch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI).

In der aktuellen Krise ist besonders wichtig, dass jederzeit ausreichend Strom unterbrechungsfrei verfügbar ist und auch die Kernkraftwerke gewohnt zuverlässig ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Dieser Verantwortung sind sich die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke bewusst. Und die Kernkraftwerke sind auf eine derartige Situation gut vorbereitet: Spezielle Betriebskonzepte und Massnahmenpläne für den Fall einer Pandemie bestehen in den Anlagen schon seit 2008 in Anlehnung an den Influenza-Pandemieplan des BAG in seiner 1. Ausgabe vom Juni 2008.

Die Kernkraftwerksbetreiber haben die Ausbreitung des Corona-Virus seit Anfang Februar 2020 sehr genau beobachtet und bereits früh strenge Massnahmen umgesetzt. Deren übergeordnetes Ziel ist es, in der aktuellen Krisensituation den sicheren Betrieb der Kernkraftwerke aufrechtzuhalten (Art. 5 des Kernenergiegesetzes bzgl. Schutzmassnahmen, geeignete Organisation und Sicherung der Anlagen), indem die Gesundheit der Mitarbeitenden geschützt und insbesondere das gleichzeitige und gehäufte Auftreten von Erkrankungen verhindert wird. Die Mindestanzahl von zulassungspflichtigem Personal wie Schichtpersonal und Wache in Kernkraftwerken ist gesetzlich geregelt. Vereinzelte Erkrankungen, wie sie derzeit in den Kernkraftwerken Gösgen und Leibstadt festgestellt worden sind, haben keinen Einfluss auf den sicheren Betrieb der Anlagen.

Weitreichende Massnahmenpläne

Die Pandemieempfehlungen der World Health Organisation (WHO) und die Vorgaben des Bundesrates werden eingehalten. So wurden die Mitarbeitenden beizeiten auf die persönliche Verantwortung wie nötige Hygienemassnahmen, das Abstandhalten oder Meldungen beim Verdacht auf Krankheitsfall sensibilisiert. Darüber hinaus kommen die für den Pandemiefall entwickelten Betriebsführungskonzepte und kernkraftwerksspezifische Weisungen zum Einsatz.

Wer im Kernkraftwerk nicht zwingend nötig ist und die Aufgaben standortunabhängig erledigen kann, arbeitet von Zuhause. Geschäftsreisen sind abgesagt. In den wichtigen Fachabteilungen wird möglichst auf aufgeteilte Belegschaft (home office / Büropräsenz) geachtet, um die Ausbreitung allfälliger Infektionen einzudämmen. Zutrittsregelungen wurden verschärft. So haben externe Mitarbeiter nur noch bei zwingend betriebsrelevanten Tätigkeiten Zutritt zur Anlage.

Anerkennung durch Bund und Bestätigung seitens ENSI

Der Bund anerkennt die Bedeutung der Kernkraftwerke als kritische Infrastruktur für die Aufrechterhaltung der sicheren Stromversorgung der Schweiz. Er unterstützt insbesondere, dass Schlüsselpersonal aus dem Ausland weiterhin in der Schweizer Nuklearindustrie arbeiten kann. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) seinerseits bekräftigt, dass die Schweizer Kernanlagen auch in der aktuellen ausserordentlichen Lage sicher betrieben werden können: Die Betreiber haben die nötigen Vorkehrungen getroffen und die Aufsichtsbehörde ENSI führt weiterhin alle nötigen Inspektionen durch.

 

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 18, 079 129 52 27; medien@swissnuclear.ch.

10. Februar 2020

Nukleare Stromproduktion 2019: Kernkraftwerke erzeugen ein gutes Drittel des Schweizer Stroms

Im Jahr 2019 haben die fünf Schweizer Kernreaktoren netto 25,373 Terawattstunden (TWh) elektrische Energie erzeugt, leicht mehr als im Vorjahr (24,492 TWh). Die Verfügbarkeit der Anlagen lag bei auch im internationalen Vergleich hohen 90 Prozent. Die Kernkraftwerke haben demnach im vergangenen Jahr wiederum zuverlässig ein gutes Drittel des heimischen Stroms erzeugt. Die nach der Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg verbleibenden vier Reaktoren leisten auch weiterhin einen grossen Beitrag an die klimafreundliche und sichere Stromversorgung der Schweiz.

Im insgesamt ruhigen Betriebsjahr 2019 hielt sich die nukleare Produktion auf hohem Niveau. Sie lag erwartungsgemäss im langjährigen Schnitt von 25 TWh. Insgesamt erzeugten die Schweizer Kernkraftwerke im Jahr 2019 netto 25'372'927 MWh elektrische Energie (Vorjahr 24'492'183 MWh). Dabei sind auch 98'605 MWh mitberücksichtigt, welche die Kernkraftwerke Beznau-1 und -2 (21'461 MWh) und Gösgen (77'142 MWh) in Form von Fernwärme an regionale Wohngebäude und Gewerbebetriebe abgeben konnten.

Block 1 des KKW Beznau feierte 2019 das 50. Betriebsjahr und bewies auch im letzten Jahr seine langjährige Zuverlässigkeit. Block 1 und 2 erzeugten zusammen 5,92 TWh elektrische Energie. Beide gingen im Betrachtungsjahr planmässig je 40 Tage vom Netz zwecks Brennstoffwechsel und Revisionsarbeiten. Es gab eine Reaktorschnellabschaltung im KKB-1, ausgelöst durch eine Störung im Unterwerk Beznau, und im Rahmen des gleichen Vorkommnisses einen Lastabwurf im KKB-2, bei dem die Leistung auf den Eigenbedarf reduziert wurde. Im Sommer musste das KKB während mehrerer Tage die Leistung reduzieren. Dies aufgrund einer Zwischenverfügung des Bundesamtes für Energie, die eine erheblich verschärfte Handhabung der Temperaturgrenzwerte dekretierte. Im Rahmen der Gesamtnotfallübung 2019 zeigte sich, dass die KKB-Notallorganisation für alle Fälle sehr gut gerüstet ist.

Auch das KKW Gösgen verzeichnete 2019 ein Jubiläum und erzeugte in seinem 40. Betriebsjahr 7,82 TWh Energie. Mit Ausnahme der dreiwöchigen Revision im Juni und zweier Betriebsunterbrüche wurde die Anlage durchwegs mit Maximalleistung betrieben. Im Februar 2019 musste sie infolge einer Speise-wasserleckage an einer Messleitung für zwei Tage abgefahren werden. Vom 26. Juli bis 11. August stand sie aufgrund der Turbinenschnellabschaltung nach einem Kurzschluss in der Schaltanlage still.

Das KKW Leibstadt, das ab Juli 2019 wieder mit voller Leistung fuhr, konnte seine Produktion gegenüber dem Vorjahr um 13% auf 8,82 TWh steigern. Zuvor hatte es wegen 2016 festgestellter Ablagerungen an Brennstäben behördlich limitiert Strom produziert.

Und das KKW Mühleberg schloss am 20. Dezember sein letztes, brennstoffwechsel- und damit unterbruchfreies Betriebsjahr mit der hohen Produktion von 3,2 TWh elektrischer Energie ab. Ansonsten zeichnete es sich, wie in seinen gesamten 47 Betriebsjahren, durch einen gewohnt ruhigen und sicheren Betrieb aus.

Praktisch keine sicherheitsrelevanten Vorkommnisse

Die Schweizer Kernkraftwerke wurden im Jahr 2019 sicher betrieben, wie das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) bestätigt hat. Die Anzahl der meldepflichtigen Vorkommnisse lag im Jahr 2019 im Bereich der Vorjahre.Von den insgesamt 30 meldepflichtigen Vorkommnissen in Schweizer Kernkraftwerken (Vorjahr 34) wurden 28 vom ENSI der INES-Stufe 0 zugeordnet, die für die nukleare Sicherheit nicht relevant ist. Ein Vorkommnis im KKG bewertete das ENSI vorläufig mit der Stufe INES-1 (Störung mit geringer Beeinträchtigung der gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen), die Bewertung eines Vorkommnisses im KKL steht noch aus. Personal und Bevölkerung waren jederzeit vor Strahlung geschützt. Die Abgaben radioaktiver Stoffe lagen, wie auch in den Vorjahren, bei allen Anlagen weit unter den Grenzwerten.

Beträchtliche Investitionen und eine Ausserbetriebnahme

Während der Jahresrevisionen wurden neben den Brennelementwechseln und umfangreichen Prüfprogrammen auch Instandhaltungsarbeiten an unterschiedlichen Komponenten durchgeführt. Im gesamten Betriebsjahr wurde in die Modernisierung und Sicherheit der Anlagen investiert:

  • Beznau-1 und -2: Im Berichtsjahr wurden die Arbeiten für die seismische Ertüchtigung einzelner Anlagekomponenten (u.a. Brennelementlagerbecken und Kühlwassersystem) vorangetrieben. Weitere im 2019 laufende Projekte betrafen die frühzeitige Vorbereitung auf die künftige Stilllegung des KKB, die unterbruchfreie Stromversorgung von Kühlwasserpumpen, Erweiterungen bei den Notstromdieseln, Installationen für Dichtheitsnachweise sowie die Aktualisierung respektive Erarbeitung von seismischen Nachweisen. 2019 erfolgte auch der Neueinbau von zusätzlichen Wasserstoff-Rekombinatoren und der Einbau eines neuen Brandmeldeleitsystems.
  • Gösgen: Zu den Revisionsschwerpunkten zählten die Inspektionen zweier Druckspeicher sowie die Revision einer Speisewasser- und einer Hauptkondensatpumpe. Ein Grossteil der speisewasserseitigen Messleitung wurde ersetzt und im Ringraum des Reaktorgebäudes eine grössere Anzahl Druckmessumformer ausgetauscht. Mit Arbeiten an einer Niederdruckturbine wurde das Vibrationsverhalten des Turbosatzes verbessert.
    • Leibstadt: Das KKL investierte v.a. in anlagentechnische Modernisierungen, substanzerhaltende Massnahmen und in die Sicherheit. Die Ursache der im Jahr 2016 festgestellten Ablagerungen an Brennelementen wurde abschliessend untersucht. Das KKL setzte entsprechende betriebliche Massnahmen um und verwendet seither einen anderen Brennelementtyp. 2019 stimmte das ENSI einer Rückkehr zur Volllast zu und stufte die Bewertung der Auffälligkeiten von 2016 von INES-1 auf INES-0 herab.
    • Mühleberg: Das Kernkraftwerk Mühleberg führte in seinem letzten Betriebszyklus – seit der Jahresrevision im Sommer 2018 – wie geplant keine Jahresrevision mehr durch. Am 20. Dezember 2019 um 12.30 Uhr stellte das KKM den Leistungsbetrieb nach 47 Betriebsjahren endgültig ein. Am 6. Januar 2020 haben die Arbeiten für den Rückbau begonnen.

Attraktiver Arbeits- und Begegnungsort

Die Schweizer Kernkraftwerke beschäftigten Ende 2019 1’947 Mitarbeitende (Vorjahr 1’843) in 1900 Vollzeitstellen. Davon standen 51 Jugendliche in einer Ausbildung, u.a. zum Automatiker, Elektroniker, Polymechaniker, Kaufmann, Informatiker, Laborant und Logistiker. Zudem schlossen acht Mitarbeitende des Kernkraftwerks Mühleberg eine Strahlenschutzausbildung ab. Rund 28’000 Personen (Vorjahr 30ˈ500 Personen) besuchten im Jahr 2019 die Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt für eine Ausstellungsführung, Anlagebesichtigung, zur Weiterbildung oder für eine öffentliche Veranstaltung.

Produktionszahlen der Schweizer Kernkraftwerke 2019 im Detail (inkl. Wärmeabgabe)

 

Brutto MWh

Netto MWh

Zeitverfügbarkeit in %

 

2019

2018

2019

2018

2019

2018

Beznau-1 (KKB-1)

2'974'710

2'588'023

2'834'205

2'459'951

89,6

78,7

Beznau-2
(KKB-2)

2'946'376

3'185'534

2'805'755

3'032'646

88,9

96,4

Mühleberg (KKM)

3'208'590

3'066'170

3'093'176

2'953'653

100%*

92,8

Gösgen
(KKG)

8'240'707

8'680'941

7'820'213

8'246'753

89,4

94,1

Leibstadt (KKL)

9'256'478

8'205'724

8'819'578

7'799'180

89

87,4

Total CH

26'62'6861

25'726'392

25'372'927

24'492'183

90,8

89,9

*Berechnet bis Einstellung des Leistungsbetriebs am 20.12.2019

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, medien@swissnuclear.ch.

swissnuclear ist der Branchenverband der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber (Axpo Power AG, BKW Energie AG, Kernkraftwerk Leibstadt AG und Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG). Die Mitgliedunternehmen betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die gegen 40% der heimischen Stromproduktion erzeugen. swissnuclear setzt sich ein für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz sowie für die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle.

16. Dezember 2019

Abschaltung Kernkraftwerk Mühleberg: Ein Verlust für die Schweiz

Am 20. Dezember 2019 stellt das Kernkraftwerk Mühleberg den Leistungsbetrieb endgültig ein. Als erstes der fünf Schweizer Kernkraftwerke wird die Anlage nach 47 Jahren abgeschaltet. Für die Stromversorgung der Schweiz ist das ein spürbarer Verlust – insbesondere im Winter und in einer Zeit, wo Klimaschutz gross geschrieben wird.

Seit Ende 2013 ist die endgültige Einstellung des Leistungsbetriebs des Kernkraftwerks Mühleberg (KKM) vorbereitet worden. Nun geht es am 20. Dezember 2019 für immer vom Netz. Ein Kernkraftwerk, das über 47 Jahre zuverlässig und praktisch störungsfrei Strom erzeugte, was sich in seiner sehr hohen Anlagenverfügbarkeit von über 90 Prozent spiegelt. Ein Kraftwerk, das wie alle Schweizer Kernanlagen laufend modernisiert und nachgerüstet wurde. Deshalb geht das KKM mit dem höchsten Sicherheitsniveau seiner 47 Betriebsjahre ausser Betrieb. Der nun folgende erste Schweizer Rückbau eines Kernkraftwerks stellt ein herausforderndes Pionierprojekt dar. swissnuclear ist überzeugt, dass die BKW AG dieses Projekt hervorragend meistern wird.

Weniger heimische Stromproduktion

Das KKM hat jedes Jahr rund 3'000'000’000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt: ca. 5 Prozent des Schweizer Endverbrauchs: So viel Strom, wie 700'000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte im Jahr verbrauchen. Im Winter, wenn die Stromerzeugung aus Wasserkraft tief ist, hat die stabile nukleare Produktion der Schweizer Kernkraftwerke oft weit über 40 Prozent der heimischen Produktion ausgemacht. Die Produktion aus Mühleberg hat deshalb besonders im Winter einen bedeutenden Beitrag für die sichere Stromversorgung insbesondere der Westschweiz und des Kantons Bern geleistet.

Mehr Risiko durch zunehmende Importe

Ohne das KKM steigt die Importabhängigkeit der Schweiz mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten. Denn der Strom aus Mühleberg lässt sich vorläufig nicht mit neuem erneuerbarem Strom aus der Schweiz ersetzen. Zusätzliche Importe werden vor allem im Winter nötig, wenn die Schweiz ohnehin bereits auf beträchtliche Stromimporte angewiesen ist. Angesichts der sinkenden Stromexportfähigkeit Deutschlands aufgrund des Kohle- und Atomausstiegs könnten solche Importe in Zukunft aber nicht selbstverständlich sein. Auch muss die nötige regionale Netzinfrastruktur angepasst werden. Dies ist mit einigen Herausforderungen verbunden, wie die Diskussionen um die Spannungserhöhung der Stromleitung Mühleberg-Bassecourt zeigen.

Weniger klimafreundlicher Strom für die Schweiz

Importstrom wird kaum ebenso klimafreundlich sein, wie es der Strom aus Mühleberg war. Allein das «kleine» Kernkraftwerk Mühleberg hat im Vergleich zu einem modernen Gaskombikraftwerk gut 50 Millionen Tonnen CO2-Ausstoss verhindert. Das entspricht in etwa dem Jahresausstoss an CO2 der gesamten Schweiz. Hätte man 1972 ein Steinkohlekraftwerk anstelle des KKM gebaut, wären es gar gegen 130 Millionen Tonnen CO2 gewesen – und dazu eine riesige Menge an Luftschadstoffen. Somit fällt mit der Abschaltung des Kernkraftwerks Mühleberg auch sauberer Schweizer Strom weg. Sauberer Strom ist aber gerade heute in Anbetracht der Anstrengungen zur Dekarbonisierung unseres Energiesystems ebenso wertvoll wie nötig.

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 18, medien@swissnuclear.ch.

06. November 2019

Bundesrat verabschiedet SEFV-Revision: Schwerwiegende Nachteile für Wirtschaft und Gesellschaft – Ungerechtfertigte Einschränkung der Eigentumsrechte

Mit der heute verabschiedeten Revision der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung (SEFV) bürdet der Bundesrat den Kernkraftwerksbetreibern ungerechtfertigte Zusatzkosten in Milliardenhöhe auf. Das Verbot der Rückerstattung von Überschüssen aus dem Stilllegungs- und dem Entsorgungsfonds führt zudem zu einer Enteignung auf dem Verordnungsweg. Auch marginalisiert der Bundesrat die Mitsprache der Betreiber in den Fondsgremien. Diese Änderungen schaffen ein grosses Ungleichgewicht zwischen den Rechten und Pflichten der Betreiber. Die massiven Verschärfungen untergraben das Vertrauen in die Rechts- und Investitionssicherheit. Sie sind überdies aus gesamtwirtschaftlicher Sicht abzulehnen. Die Betreiber behalten sich rechtliche Schritte vor.

Swissnuclear nimmt mit grossem Bedauern zur Kenntnis, dass der Bundesrat entgegen zahlreichen Vernehmlassungsantworten an seinem ursprünglichen Vorschlag der Revision der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung (SEFV) festgehalten hat. Wesentliche Elemente der Revision führen ohne Not zu erheblichen Verschärfungen der Rahmenbedingungen für den Betrieb der Schweizer Kernkraftwerke, die einen wertvollen Beitrag zur Stromversorgung des Landes leisten. Für den Branchenverband der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber ist einzig die Streichung des pauschalen Sicherheitszuschlags von 30 Prozent erfreulich.

Mehrkosten in Milliardenhöhe – Beträge fehlen für Energiezukunft

Die Senkung der Realrendite (Anlagerendite minus Teuerung) sowohl für den Stilllegungs- als auch den Entsorgungsfonds von 2 Prozent auf 1,6 Prozent ist weder nachvollzieh- noch begründbar: Die durchschnittlichen Realrenditen beider Fonds liegen seit ihrer Gründung – und trotz Wirtschaftskrisen – deutlich über 2 Prozent (Stilllegungsfonds: 3,78 Prozent, Entsorgungsfonds: 2,94 Prozent per Ende 2018). Während 2018 ein schwieriges Börsenjahr war, liegt die Anlagerendite beider Fonds im ersten Semester 2019 bereits wieder bei jeweils über 8 Prozent. Beide Fonds sind zudem gut auf Kurs: Ende 2018 lagen sie zusammen rund 150 Millionen CHF über dem aktuellen Sollwert.

Die Senkung der Realrendite hat für die Betreiber massiv höhere Fondsbeiträge zur Folge – ohne einen nennenswerten Beitrag zur Stabilität des Finanzierungskonstrukts zu leisten. Es handelt sich um rund 900 Millionen CHF – Geldmittel, die für den Umbau des Energiesystems im Rahmen der Energiestrategie 2050 fehlen werden.

Rückforderungsverbot führt de facto zu Enteignung

Mit der Revision wird auch eine Rückerstattung von Fondsüberschüssen im Falle einer Überdeckung verboten – und dies bis nach der Schlussabrechnung und damit bis zum Verschluss des geologischen Tiefenlagers. Bereits mit der Senkung der Realrendite auf 1,6 Prozent müssen die Betreiber unbegründet Gelder auf Vorrat in die Fonds einbezahlen. Diese Überschüsse werden aufgrund des Rückerstattungsverbots sowie des Zinseffekts weiter steigen. Es werden zusätzlich überschüssige Mittel in der Höhe mehrerer Milliarden Franken für mehr als hundert Jahre in den Fonds blockiert sein.

Das Rückerstattungsverbot führt damit zu einer Einschränkung der Eigentumsrechte. De facto werden die Unternehmen auf dem Verordnungsweg enteignet. Dies ist sowohl in rechtsstaatlicher als auch in ordnungspolitischer Hinsicht höchst problematisch.

Verantwortung wahrnehmen – ohne Mitsprache?

Die Betreiber der Kernkraftwerke stehen zusammen mit der gesamten Gesellschaft vor der Herausforderung des Umbaus der Schweizer Stromwirtschaft im Rahmen der Energiestrategie 2050. Die Kernenergie liefert in dieser Übergangsphase wichtige Bandenergie. Sie trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit bei, die von der Bevölkerung und der Wirtschaft gefordert wird. Die Anpassungen der SEFV schaffen zudem stossende Asymmetrien zwischen den Rechten und Pflichten der Betreiber. Dieses Ungleichgewicht kommt unter anderem auch in einer Reduktion der Sitze der Betreiber in den Fondsgremien zum Ausdruck – dabei gehören diesen die Gelder in den Fonds. Ihre Mitsprache wird nun ohne Grund marginalisiert, was zu einem Kompetenzverlust führen wird.

Gesamtwirtschaftlich schädigende Revision

Die heute verabschiedete Revision hat nicht nur negative Folgewirkungen auf das Gesamtenergiesystem, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die zunehmende Verschärfung der Rahmenbedingungen mit massiven Eingriffen in die Wirtschaftsfreiheit und Rechtssicherheit schafft ein investitionsfeindliches Klima. Die Revision ist deshalb auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht kontraproduktiv und schädlich. Sie wird nicht nur den Werkplatz Schweiz, sondern letztendlich die gesamte Bevölkerung treffen.

Für weitere Auskünfte: medien@swissnuclear.ch, Tel. 062 205 20 18

swissnuclear ist der Branchenverband der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber und vertritt deren gemeinsame Interessen gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung. swissnuclear unterstützt die Kernanlagen beim sicheren und nachhaltigen Betrieb sowie in den weitern Phasen des Lebenszyklus und setzt sich für die Optimierung von internen und externen Rahmenbedingungen ein. Die Mitgliedunternehmen von swissnuclear betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 35% der heimischen Stromproduktion erzeugen.

 

14. Oktober 2019

Klares Bekenntnis zur Forschung nötig

Im Rahmen der Energiestrategie 2050 wird Kernenergie noch für lange Zeit einen bedeutenden Beitrag zur sicheren Versorgung mit klimafreundlichem Strom leisten. Für den absehbaren Langzeitbetrieb der Schweizer Kernkraftwerke sind verlässliche Rahmenbedingungen und mittelfristig ein verstärktes Engagement des Bundes für Forschung und Ausbildung des Nachwuchses im Kernenergiebereich unabdingbar. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie zur Situation von Lehre, Forschung und Nachwuchs in der Nuklearbranche.

Der Branchenverband swissnuclear und das Nuklearforum Schweiz führen regelmässig eine Bestandsaufnahme zu Lehre, Forschung und Nachwuchs in der Schweizer Kernenergie durch. Die jüngste Erhebung für die Jahre 2019–2023 zeigt, dass das nötige Lehr- und Forschungsangebot für den sicheren Weiterbetrieb der Kernkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle derzeit vorhanden ist. Allerdings ist als Folge des schrittweisen Ausstiegs aus der Kernenergie der Forschungsbedarf der Betreiber gesunken. Die bisherige breite Finanzierung der Kernenergieforschung, die insbesondere im Grundlagenbereich auf freiwilliger Basis erfolgte, ist für die Betreiber nicht mehr tragbar und wird in den kommenden Jahren weiter abnehmen.

Weiter zeigt die Bestandsaufnahme, dass die Rekrutierung von Nachwuchs schwieriger geworden ist. Eine besondere Herausforderung ist derzeit, junge Menschen für die anspruchsvolle Ausbildung in den Kernanlagen zu gewinnen. Es fehlt am Bewusstsein, dass die Kernkraftwerke noch über Jahrzehnte vielfältige, spannende und sichere Arbeitsplätze im Betrieb und Rückbau bieten – und nicht bald den Betrieb einstellen werden.

Klare Signale an Forschung und Nachwuchs

Einerseits ist die Erhaltung der hohen kerntechnischen Kompetenz in der Schweiz eine unabdingbare Voraussetzung für den absehbar notwendigen Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke. Auch mit Blick auf die Stilllegung der Kernkraftwerke und insbesondere die Entsorgung der radioaktiven Abfälle haben Bund und Gesellschaft ein Interesse daran, dass Kernforschung und Ausbildung, die dem sicheren Betrieb der bestehenden Anlagen dienen, weitergeführt werden. Diese Aufgabe nehmen die Betreiber auch in Zukunft wahr.

Andererseits werden Forschung und Entwicklung in der Kernenergie weltweit laufend vorangetrieben. Mit einer Verknappung der finanziellen Mittel würde der bislang wertvolle Beitrag der Schweiz zur internationalen kerntechnischen Entwicklung unweigerlich sinken. Um weiterhin an der Weltspitze mithalten zu können, benötigt die Nuklearforschung im ETH-Bereich anhaltend stabile Mittel in der heutigen Grössenordnung. Deshalb ist hier zukünftig ein verstärktes finanzielles Engagement des Bundes im Rahmen der kommenden Forschungsprogramme nötig. Andernfalls wird es mit dem drohenden Kompetenzverlust nicht mehr möglich sein, die Entwicklung zukunftsweisender Reaktorsysteme der fortgeschrittenen vierten Generation fachlich zu beurteilen – was Bundesrat und Parlament bei der Verabschiedung des Ausstiegsbeschlusses ausdrücklich vermeiden wollten. Einmal verlorenes Wissen lässt sich nicht über Nacht wieder erwerben.

Damit weiterhin junge Menschen für die Ausbildung in den kerntechnischen Berufen gewonnen werden können, braucht es motivierende Perspektiven. Hilfreich wäre, wenn der Bund den längerfristigen Beitrag der Kernenergie zur sicheren Stromversorgung anerkennen würde.

Kernkraftwerke bleiben Pfeiler der Versorgungssicherheit

Die Kernenergie liefert mehr als ein Drittel des Schweizer Strombedarfs und im Winter bis zur Hälfte der heimischen Stromproduktion. Sie ist zudem zentral für die klimafreundliche Stromerzeugung. Nötig sind verlässliche und faire Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke und ein verstärktes Engagement des Bundes in der Kernenergieforschung. Dies sind wesentliche Voraussetzungen, damit die bestehenden Kernkraftwerke ihren wichtigen Beitrag zur Wahrung der Versorgungssicherheit und zur Umsetzung der «Energiestrategie 2050» leisten können.

Das Dossier «Lehre, Forschung und Nachwuchs in der Schweizer Kernenergie» können Sie hier herunterladen oder auf downloads.

Für weitere Auskünfte: medien@swissnuclear.ch, Tel. 062 205 20 18

 

swissnuclear ist der Branchenverband der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber und vertritt deren gemeinsame Interessen gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung. Swissnuclear unterstützt die Kernanlagen beim sicheren und nachhaltigen Betrieb sowie in den weitern Phasen des Lebenszyklus und setzt sich für die Optimierung von internen und externen Rahmenbedingungen ein. Die Mitgliedunternehmen von swissnuclear betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 35% der heimischen Stromproduktion erzeugen.

20. September 2019

Neue Demoscope-Umfrage: Kernenergie ist weiterhin notwenig und nützlich

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer sind der Ansicht, dass Wirtschaft und Gesellschaft von der Kernenergie profitieren. Dies, weil sie eine hohe Versorgungssicherheit sowie tiefe Strompreise bietet und zur Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz beiträgt. Dass dank den Kernkraftwerken auch weniger fossile Brennstoffe verbraucht wurden, nehmen fast drei Viertel und damit deutlich mehr Befragte wahr als zuvor. Und sie machen sich Gedanken zur energiepolitischen Entwicklung: Eine zunehmende Mehrheit findet, dass die Kernenergie für die sichere Stromversorgung der Schweiz nötig ist.

Im Sommer 2019 führte das Marktforschungsinstitut Demoscope im Auftrag von swissnuclear zum 19. Mal eine repräsentative Umfrage durch. 2200 Personen aus der ganzen Schweiz wurden zur Kernenergie befragt. Mit der regelmässigen Umfrage ermittelt swissnuclear die Grundstimmung der Schweizerinnen und Schweizer bezüglich der Kernenergie.

Konstanter Rückhalt dank hohem Nutzen

Die Umfrage zeigt, dass wichtige Eckwerte zur Kernenergie seit der letzten Erhebung im Jahr 2017 praktisch konstant geblieben sind. So ist das Vertrauen in die Kernkraftwerke stabil: Eine deutliche Mehrheit von 65% der Befragten (66% im 2017) hält die bestehenden Schweizer Kernkraftwerke für sehr sicher oder eher sicher, und 66% möchten, dass sie betrieben werden, so lange sie sicher sind. 59% der Befragten (58% im 2017) erachten Atomstrom als eher günstig, und gut die Hälfte (52% gg. 50% im 2017) weiss, dass die Kernenergie nur wenig CO2-Emissionen verursacht.

Weiterhin schätzt die Bevölkerung den Nutzen der Kernenergie: 87% der Befragten finden, dass die Wirtschaft von der Kernenergie profitiert – zu 80% durch hohe Versorgungssicherheit, zu 73% durch tiefe Strompreise und zu 42%, weil Kernenergie den Wirtschaftsstandort Schweiz attraktiver macht. Und 86% der Befragten finden, dass die Bevölkerung ebenso von der Kernenergie profitiert. Dies auch zu 72%, weil weniger fossile Brennstoffe verbraucht wurden. Dieser letzte Wert lag im Jahr 2017 noch bei 67% und damit um 5% tiefer. Die Diskussionen über die Klimapolitik scheinen die Wahrnehmung der Kernenergie in der Bevölkerung als CO2-emissionsarme Technologie verstärkt zu haben.

Zunehmende Zweifel an der Ersetzbarkeit

Nur mehr die Hälfte der Befragten ist jedoch der Meinung, dass die Förderung von neuen erneuerbaren Energien und Sparmassnahmen reichen werden, um auf Kernenergie zu verzichten. Dieser Wert ist seit 2016 um über 12 Prozent auf heute 50,2% gefallen. Es überrascht deshalb nicht, dass aktuell 60,5% der Befragten die bestehenden Kernkraftwerke als für die Stromversorgung der Schweiz nötig erachten: Ein Anstieg von 5,9% seit der letzten Umfrage.

Viel Offenheit für neue Technologien

Auch zeigt sich die Schweiz erfreulich technologieoffen. Eine Mehrheit von 55% (53,7% im 2017) würde im Fall von technologischem Fortschritt die Kernenergie wieder in Betracht ziehen. Und mit 78,2% erachten mehr als drei Viertel der Bevölkerung kerntechnologische Forschung und Ausbildung in der Schweiz als notwendig, damit die Schweiz auch in Zukunft offen für neue Technologien bleibt.

Die Schweizer Kernkraftwerke decken rund einen Drittel des Schweizer Stromverbrauchs und liefern im Winter bis zur Hälfte der heimischen Produktion. Sie sind zentral für die Schweizer Klimapolitik, die langzeitig sichere Stromversorgung des Landes und die Umsetzung der «Energiestrategie 2050» in den kommenden Jahrzehnten.

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 18, medien@swissnuclear.ch.

swissnuclear ist der Branchenverband der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber und vertritt deren gemeinsame Interessen gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung. Swissnuclear unterstützt die Kernanlagen beim sicheren und nachhaltigen Betrieb sowie in den weitern Phasen des Lebenszyklus und setzt sich für die Optimierung von internen und externen Rahmenbedingungen ein. Die Mitgliedunternehmen von swissnuclear betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 35% der heimischen Stromproduktion erzeugen.

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