Veränderte Ergebnisse von Kostenstudien

Warum haben sich die Ergebnisse der Kostenstudien in den letzten Jahren verändert?

Kostenänderungen sind bei jeder Kostenstudie zu erwarten, denn jeder neuen Kostenstudie liegt eine neue Preisbasis zugrunde («overnight Kosten»). Deshalb sorgt allein schon die Teuerung für Kostensteigerungen. Aber auch Änderungen von Gesetzen und Verordnungen können zu markanten Kostensteigerungen führen. Und jede neue Kostenstudie muss der Änderung von Rahmenbedingungen Rechnung tragen.

Kostensenkend könnten sich hingegen neue Technologien auswirken. Vor allem der Bau eines Kombilagers für hochaktive sowie für schwach- und mittelaktive Abfälle anstelle getrennter Lager an zwei verschiedenen Standorten würde die Kosten stark reduzieren.

Die jüngste Kostenstudie 2016 weist mit rund 8% im Vergleich zur vorangegangenen Kostenstudie 2011 aber einen kleineren Kostenschub aus als die KS11 gegenüber der KS06 mit +10 %.

Teuerungsbereinigt ergaben sich für die Kostenstudie 2016 gegenüber der Kostenstudie 2011 folgende Mehrkosten:

Kostenanstieg Begründung
Nachbetrieb: -7,5%% Die präzisierte Planung des Nachbetriebs verkürzt die Nachbetriebsdauer – von fünf auf vier Jahre für die Kernkraftwerke Beznau und Leibstadt und auf drei Jahre für das Kernkraftwerk Gösgen. Dies senkt die Kosten des Nachbetriebs
Stilllegung: +13,4% Nach der Analyse laufender Rückbauprojekte im Ausland wurde der Aufwand für Demontage und projektbegleitende Massnahmen im Vergleich zu den Annahmen in der KS11 nach oben korrigiert. Auch der erweiterte Betrachtungsumfang mit Kostenzuschlägen für Ungenauigkeiten und Risiken wirkt sich kostenerhöhend aus. Zudem wurden das teurere Rückbauziel «Grüne Wiese» berücksichtigt. Das Rückbauziel «Braune Wiese» wird separat ausgewiesen (Rückbau bis zur Entlassung aus dem Kernenergiegesetz und industrielle Umnutzung von Gebäuden).
Entsorgung: +8,8% Das Basisprojekt für die geologischen Tiefenlager wurde infolge des Partizipationsverfahrens in Etappe 2 des Sachplanverfahrens angepasst. Da deshalb die geologischen Tiefenlager später in Betrieb gehen werden, als zur Zeit der KS11 geplant, steigen sowohl die Kosten für die Zwischenlagerung wie auch für die Transporte. Auch der erweiterte Betrachtungsumfang (Ungenauigkeiten und Risiken) wirkt sich kostenerhöhend aus.
Insgesamt: +8,1%  

Die hier angegebenen Mehrkosten geben die Veränderung der Gesamtkosten für alle Schweizer Kernkraftwerke und das zentrale Zwischenlager (Zwilag) an. Die Veränderung der Kostenschätzung fällt jedoch bei den einzelnen Nuklearanlagen unterschiedlich aus. Mehr dazu hier.

Präzision der Kostenschätzungen steigt

In die Kostenstudie 2016 flossen neben den weltweiten Erfahrungen auch die bis anhin erfolgten Veränderungen der gesellschaftlichen und regulatorischen Randbedingungen ein. Weitere absehbare oder mögliche Veränderungen wurden als Risiken mit unterschiedlichen Eintretenswahrscheinlichkeiten ausgewiesen. Da das technische Wissen und die praktische Erfahrung bei der Stilllegung von Kernkraftwerken aber laufend zunehmen, werden die Unsicherheiten bei der Kostenberechnung in den nächsten Jahren weiter abnehmen.

Die Kostenstudie 2016 weist realistische Basiskosten aus. Da neben diesen Basiskosten auch Gefahren und Chancen vorsichtig und umfassend ausgewiesen werden, liefert die KS16 ein fundiertes und robustes Ergebnis.

Zeigen sich in Zukunft Verbesserungspotenziale, auch aufgrund von Hinweisen und Empfehlungen der Aufsichtsbehörden, werden diese auch in der nächsten Kostenstudie systematisch berücksichtigt.