Medienmitteilung

22. Februar 2017

Schweizer Kernkraftwerke mit leicht reduzierter Produktion im Jahr 2016

Olten, 22. Februar 2016. Im Jahr 2016 erzeugten die fünf Schweizer Kernkraftwerke netto 20’309 Gigawattstunden (GWh) klimafreundliche Bandenergie. Der Beitrag der Kernenergie an die Schweizer Stromerzeugung fiel aufgrund der geringen Zeitverfügbarkeit der Anlagen Leibstadt und Beznau-1 um 8,36 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Die Produktion der Schweizer Kernkraftwerke deckte damit rund ein Drittel des jährlichen Schweizer Strombedarfs.  

Insgesamt erzeugten die Schweizer Kernkraftwerke im Jahr 2016 netto 20’309 GWh Strom (Vorjahr 22’161 GWh). In der nuklearen Produktion eingeschlossen sind 94,3 GWh, welche die Kernkraftwerke Beznau-2 (28,3 GWh) und Gösgen (66,0 GWh) in Form von Fernwärme an regionale Wohngebäude und Gewerbebetriebe abgeben konnten. Durch den Bezug dieses Heizdampfes konnten gut 80’000 Tonnen CO2-Emissionen gegenüber der Verbrennung von Heizöl eingespart werden.

Störungsfrei und ohne ungeplante Lastabsenkungen verlief der Betrieb der Anlagen Mühleberg und Beznau-2. Mühleberg übertraf mit 2’964 GWh die Vorjahresproduktion. Auch das Kernkraftwerk Gösgen konnte die Produktion mit 8’233 GWh leicht steigern.

Die durchschnittliche Zeitverfügbarkeit der fünf Kernreaktoren – d.h. ihre Verfügbarkeit im Verhältnis zur Zeitspanne des gesamten Kalenderjahres – lag im Jahr 2016 bei 68,3 Prozent. Die Zeitverfügbarkeit von Beznau-2 betrug gar 96,5 Prozent. Auch jene von Gösgen und Mühleberg lag bei im internationalen Vergleich überdurchschnittlichen 93,7 resp. 92,9 Prozent.

Sicherheit zuerst

Der sichere Betrieb aller Anlagen im Jahr 2016 wurde durch die tiefe Zeitverfügbarkeit der Anlagen Beznau-1 und Leibstadt nicht beeinträchtigt, wie das Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) bestätigt. Die radioaktiven Abgaben an Personal, Bevölkerung und Umwelt lagen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Es kam zu keinen Reaktorschnellabschaltungen, jedoch zu einer einzigen Turbinenschnellabschaltung in der Anlage in Gösgen. 30 meldepflichtige Vorkommnisse waren ohne Bedeutung für die Sicherheit (Stufe 0 der internationalen INES-Skala). Ein Ereignis in Leibstadt wurde auf Stufe 1 klassiert.

Aufwändige Sicherheitsüberprüfungen prägten das Betriebsjahr 2016 der Anlagen Beznau-1 und Leibstadt. Beznau-1 stand deswegen das ganze Jahr still. Mitte November konnte die Betreiberin Axpo den Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter beim ENSI einreichen. Der Bericht wird zurzeit von der Aufsichtsbehörde geprüft.

Das Kernkraftwerk Leibstadt stand von August 2016 bis Februar 2017 zur Untersuchung lokaler Oxidationen an Brennstabhüllrohren still. Der für den nächsten Betriebszyklus notwendige Sicherheitsnachweis wurde Mitte Dezember beim ENSI eingereicht. Der Leistungsbetrieb konnte vor wenigen Tagen wiederaufgenommen werden.Im Jahr 2016 schloss Leibstadt zudem die alle zehn Jahre stattfindende Periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) ab. Die umfangreiche Dokumentation mit 113 Berichten wurde Mitte Dezember beim ENSI eingereicht.

Regelmässige Investitionen

Neben den planmässigen Brennelementwechseln, umfangreichen Prüfprogrammen und Instandhaltungsarbeiten, die in der Jahresrevision regelmässig stattfinden, wurde auch 2016 in die Modernisierung und damit in die Sicherheit der Schweizer Anlagen investiert:

  • Leibstadt: Inbetriebnahme der neuen Elektrowerkstatt und Fertigstellung der Grosskomponenten Wasserabscheider-Zwischenüberhitzer und Kondensator für den Einbau in der Jahreshauptrevision 2017 resp. 2019.
  • Mühleberg: Nachrüstung eines automatischen, erdbeben- und überflutungssicheren Niederdruck-Notfalleinspeisesystems; Erweiterung der Logik Speisewasserleitungsbruch; Montage und hydraulischer Nachweis einer Brennelementbecken-Notfallkühlung.
  • Gösgen: Ersatz von zehn zur Störfallinstrumentierung zählenden Wasserstoffmessungen; Austausch klassierter Einschübe in der Schaltanlage und eines Kühlwasserdiesels.

Attraktiver Arbeits- und Begegnungsort

Die Schweizer Kernkraftwerke beschäftigten Ende Jahr 1893 Mitarbeitende. Davon standen 59 Jugendliche in einer Ausbildung u.a. zum Automatiker, Elektroniker, Polymechaniker, Kaufmann, Informatiker, Laborant und Logistiker. Rund 39‘000 Personen besuchten 2016 ein Schweizer Kernkraftwerk für eine Ausstellungsführung, Anlagebesichtigung, zur Weiterbildung oder für eine öffentliche Veranstaltung.

Produktionszahlen der Schweizer Kernkraftwerke 2016 im Detail (inkl. Wärmeabgabe)

 

Brutto GWh

Netto GWh

Zeitverfügbarkeit in %

 

2016

2015

2016

2015

2016

2015

Beznau-1 (KKB-1)

0

655,314

-12,083

620,915

0

19,6

Beznau-2
(KKB-2)

3'175,815

2'109,481

3'048,366

2'021,541

96,5

64,1

Mühleberg (KKM)

3'077,620

3'061,470

2'964,167

2'948,810

92,2

90

Gösgen
(KKG)

8'668,128

8'399,465

8'233,250

7'971,204

93,7

90,9

Leibstadt (KKL)

6'403,399

9'030,325

6'075,415

8'598,518

58,6

83,6

Total CH

21'324,962

23'256,055

20'309,115

22'160,988

68,3

70,1

Für weitere Auskünfte: Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, medien@swissnuclear.ch.

swissnuclear ist die Fachgruppe Kernenergie der swisselectric (www.swisselectric.ch). swissnuclear setzt sich aus Vertretern der schweizerischen Stromverbundunternehmen Alpiq, Axpo, BKW und CKW zusammen. Sie engagiert sich für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz. Die Mitglied-Unternehmen betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 40% des Strombedarfs der Schweiz produzieren. Mit der Zwilag und der Nagra sind die Mitglied-Unternehmen an Gesellschaften beteiligt, die sich für eine umwelt- und sachgerechte Entsorgung der radioaktiven Abfälle einsetzen.

30. Mai 2016

Schlussbericht publiziert – Kernkraftwerke sind erdbebensicher

Swissnuclear hat den Schlussbericht zum PEGASOS Refinement Project (PRP) veröffentlicht, nachdem das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die Prüfung der Studie abgeschlossen hat. Die Studie wurde von zahlreichen unabhängigen internationalen Experten durchgeführt. Die Resultate des PRP stimmen mit den aktuellen Gefährdungsannahmen des Schweizerischen Erdbebendienstes überein. Die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke stellen fest, dass das ENSI höhere Erdbebengefährdungsannahmen verfügt hat, als die von den Erdbebenexperten im Projekt ermittelten – obschon das vom ENSI vorgeschriebene Verfahren korrekt befolgt wurde.

Die Kernkraftwerke in der Schweiz können als erdbebensicher bezeichnet werden. Denn sie sind so geplant, gebaut und laufend nachgerüstet worden, dass sie auch schweren Erdbeben widerstehen. Hinzu kommt, dass sich die Werke in seismisch ruhigen Zonen befinden und die Schweiz ohnehin in einer Zone niedriger bis mittlerer Erdbebenaktivität liegt. Um jedoch den Stand von Wissenschaft und Technik einzubringen, hat das ENSI im Jahre 1999 die PEGASOS-Studie (Probabilistische Erdbeben-Gefährdungs-Analyse für die KKW-StandOrte in der Schweiz) initiiert.  Nach deren Abschluss folgte die Verfeinerungsstudie, das Pegasos Refinement Project (PRP). Mit beiden Projekten nahm die Schweiz wissenschaftlich eine Pionierrolle ein. Swissnuclear reichte den Abschlussbericht zum PRP Ende 2013 beim ENSI ein.

Analyse der ENSI-Verfügung
Das ENSI hat die Überprüfung der Studie nun abgeschlossen und akzeptiert sie im Grundsatz. Die Behörde hat allerdings höhere Resultate verfügt, da es Vorbehalte gegenüber jenem Teilbereich der Studie gibt, der die Erdbebenhäufigkeit und Verteilung bestimmt. Die Betreiber sind von der  Qualität auch dieses Teils der Studie überzeugt. Zum einen, weil die ganze Studie konsequent nach einem höchst anspruchsvollen wissenschaftlichen Verfahren unter Mitwirkung unabhängiger, weltweit angesehener Experten durchgeführt worden war. Und zum anderen, weil die Resultate von den im September 2015 publizierten Gefährdungskurven des Schweizerischen Erdbebendienstes SED  bestätigt werden und mit diesen sehr gut übereinstimmen. Aus diesem Grund können die Betreiber die nachträgliche Anpassung durch das ENSI nicht nachvollziehen. 

Kein wesentlicher Nachrüstbedarf
Das PRP fokussiert sich auf die Klärung der Fragen, mit welcher Häufigkeit Erdbeben unterschiedlicher Stärke eintreten können und wie gross die am Kraftwerksstandort zu erwartenden Erschütterungen sind. Berücksichtigt wird dabei eine grosse  Spannbreite von sehr schwachen Beben mit grosser Häufigkeit bis hin zu Beben mit geringer Häufigkeit, die stärker sind als die in der Schweiz jemals beobachteten. Das PRP geht aber nicht auf die Fragen ein,  ob und welcher Nachrüstbedarf bei den Kernkraftwerken infolge der neuen Erdbebengefährdungsannahmen besteht. Dies wird Gegenstand einer zusätzlichen Studie seitens der Werke sein. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein wesentlicher Nachrüstbedarf besteht.

Erdbebensicherheit als ständige Aufgabe
Die im Rahmen von PEGASOS und des nachfolgenden Verfeinerungsprojekts PRP erarbeiteten Erkenntnisse erhöhen Schritt für Schritt die Qualität der Gefährdungsanalysen. Auch in Zukunft werden neue Erkenntnisse und Erdbebendaten von den Kernkraftwerksbetreibern berücksichtigt und Eingang in die Aktualisierung der Erdbebengefährdungsannahmen finden.

Ein umfangreiches Dossier über das PRP findet sich auf der Website von swissnuclear.

Für weitere Auskünfte: Ruth Williams, Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 18, ruth.williams@swissnuclear.ch.

26. Februar 2016

Stromproduktion 2015: Schweizer Kernkraftwerke lieferten 2015 rund ein Drittel unseres Stroms

Auch im Jahr 2015 haben die fünf Schweizer Kernkraftwerke einen bedeutenden Beitrag an die Versorgungssicherheit geleistet: Sie gaben netto insgesamt 22,161 Milliarden Kilowattstunden (kWh) klimafreundliche Bandenergie ins Netz ab. Damit erzeugten sie rund ein Drittel des Schweizer Strombedarfs. Die Anlagen in Mühleberg und Gösgen erreichten beinahe die Produktion des Rekordjahres 2014.

Die Jahresproduktion des gesamten Kernkraftwerkparks fiel im Jahr 2015 um 17 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Insgesamt wurden 22‘160‘988‘000 kWh Strom ins Übertragungsnetz abgegeben. Zudem lieferten die Anlagen Beznau  (17,3 Mio. kWh) und Gösgen (64,1 Mio. kWh) zusammen 81,4 Millionen kWh Energie (Vorjahr 80,6 Mio. kWh) in Form emissionsfreier Fernwärme an zahlreiche regionale Haushalte und Gewerbebetriebe.

Die Ursachen für den Produktionsrückgang sind verlängerte Revisionszeiten zwecks Nachrüstungen sowie kürzere ungeplante Betriebsunterbrüche.  Untersuchungen an den Reaktoren in Beznau führten zu einem längeren Produktionsausfall  im Kernkraftwerk Beznau-2  und  zum vorläufigen Produktions-unterbruch im Block 1. Aber auch hohe Luft- und Wassertemperaturen machten mehrere Lastabsenkungen erforderlich.

Sicherer Betrieb

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) bestätigte den sicheren Betrieb aller Anlagen. Sie erfüllten vollumfänglich ihre gesetzlichen Anforderungen. Die radioaktiven Abgaben an Personal, Bevölkerung und Umwelt lagen wie jedes Jahr deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Sämtliche meldepflichtigen Vorkommnisse waren ohne Bedeutung für die Sicherheit. Auch zwei Abweichungen vom Normalbetrieb erforderten kein Eingreifen von Sicherheitssystemen, ebenso insgesamt vier ungeplante automatische Reaktorschnellabschaltungen in den Kernkraftwerken Mühleberg, Leibstadt und Gösgen. Alle Sicherheitssysteme funktionierten auslegungsgemäss und einwandfrei.

Die durchschnittliche Arbeitsausnutzung der fünf Kernreaktoren lag im Jahr 2015 bei 76 Prozent (Vorjahr 92 Prozent), ihre Zeitverfügbarkeit bei 70 Prozent. Normalerweise liegen diese beiden Werte in der Schweiz deutlich  über dem internationalen Durchschnitt von 70 bis 75 Prozent. Eine Ausnahme bildet das Kernkraftwerk Mühleberg, das für 2015 eine hervorragende Verfügbarkeit von 92 Prozent erreichte.

Regelmässige Erneuerungen

Instandhaltung und Modernisierung der Anlagen sind fester Bestandteil der Jahresrevisionen. Neben den planmässigen Brennelementwechseln und regelmässigen umfangreichen Prüfprogrammen fanden 2015 verschiedene zusätzliche Arbeiten statt:

  • Beznau1&2: Als vorbeugende Massnahme wurden beide Reaktordruckbehälterdeckel ersetzt. Das Grundmaterial der Reaktordruckgefässe wurde mit modernsten Ultraschallmessungen überprüft. Weiterführende Untersuchungen zu Anzeigen im Material von Block 1 sind noch im Gang. In zwei separaten Gebäuden wurde eine zusätzliche autarke Notstromversorgung realisiert. Schliesslich wurde in beiden Blöcken ein modernes Anlageinformationssystem eingebaut.
  • Mühleberg: Obwohl die Anlage Ende 2019 den Leistungsbetrieb einstellt, wurde eine Notkühlwassereinspeisung vom Hochreservoir zum Gebäude des SUSAN-Notstandssystems realisiert. Zudem wurde der Rundlaufkran im Reaktorgebäude nach neuesten Standards ertüchtigt.
  • Leibstadt: 30 Steuerstäbe und 14 Steuerstabantriebe wurden ersetzt und Vorbereitungs-arbeiten für Grossprojekte wie z.B. den geplanten Ersatz des Hauptkondensators durchgeführt.
  • Gösgen: Im Maschinenhaus wurden neue Schwingungsdiagnosesysteme eingebaut und der zweite Hauptkühlwasserpumpenmotor ersetzt.

 Attraktiver Arbeits- und Begegnungsort

Die Schweizer Kernkraftwerke beschäftigten Ende 2015 1911 qualifizierte Mitarbeitende (1871 Vollzeitstellen).  53 Jugendliche standen in einer Berufsausbildung zum Automatiker, Polymechaniker, Kaufmann, Informatiker, Logistiker und Fachmann Betriebsunterhalt. Insgesamt 41‘600 Personen besuchten 2015 ein Schweizer Kernkraftwerk, sei dies für eine Führung durch die Ausstellung, zur Weiterbildung oder für eine öffentliche Veranstaltung.

Im Dienst der Versorgungssicherheit

Schweizer wollen Schweizer Strom und eine sichere Stromversorgung. Dies bestätigte die jährlich durchgeführte, repräsentative  Meinungsumfrage (DemoSCOPE im Auftrag von swissnuclear) im Herbst 2015. Sie bekräftigte das Ergebnis des Vorjahres: Drei Viertel der Bevölkerung wollen, dass unser Strom auch in Zukunft in der Schweiz erzeugt wird. Auch die Energiewende darf die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland nicht erhöhen (77%) und keinesfalls die Versorgungssicherheit gefährden (87%). Und nach wie vor schätzen 71% der Befragten die Schweizer Kernkraftwerke als sicher ein. Deshalb wollen 66%, dass die Kernkraftwerke weiterhin und so lange betrieben werden sollen, wie sie sicher sind.

Produktionszahlen der Schweizer Kernkraftwerke 2015 im Detail (inkl. Wärmeabgabe)

 

Brutto MWh

Netto MWh

Arbeitsausnutzung in %

 

2015

2014

2015

2014

2015

2014

KKB1

655'314

3'044'014

620'915

2'920'610

19,7

91,4

KKB2

2'109'481

3'180'159

2'021'541

3'053'517

63,4

95,5

KKM

3'061'470

3'154'840

2'948'810

3'040'059

90,2

92,3

KKG

8'399'465

8'452'176

7'971'204

8'021'577

90,5

92,1

KKL

9'030'325

9'908'386

8'598'518

9'457'597

80,5

88,71

Total CH

23'256'055

27'739'575

22'160'988

26'493'360

75,9

92

Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Leiter Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, patrick.jecklin@swissnuclear.ch.

30. November 2015

Neuste Umfrageresultate zur Kernenergie: Die Schweizer Bevölkerung will die Laufzeiten der Kernkraftwerke nicht begrenzen

Sechs von zehn Schweizern und Schweizerinnen erachten die bestehenden Kernkraftwerke für die Stromversorgung als notwendig. So erstaunt nicht, dass 66% finden, die Kernkraftwerke sollen so lange betrieben werden, wie sie sicher sind – insbesondere, nachdem über 70% aller Befragten von der Sicherheit der Kernkraftwerke überzeugt sind.  Dies zeigt die neueste Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Demoscope im Auftrag von swissnuclear im Oktober 2015 durchgeführt hat.

Zum 16. Mal in Folge führte das Markforschungsinstitut Demoscope im Auftrag von swissnuclear eine breit abgestützte, repräsentative Befragung durch. An der Umfrage nahmen 2207 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz sowie aus dem Tessin teil. Ziel der jährlichen Umfrage ist, die Grundstimmung der Schweizerinnen und Schweizer bezüglich der Kernenergie und der Energiepolitik zu messen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen klare Voten.

Vorteile der Kernenergie nutzen

Insgesamt erachtet eine Mehrheit der Befragten (58%) die bestehenden Kernkraftwerke (KKW)  für die Stromversorgung der Schweiz als notwendig. Und 61% der Befragten ist bewusst, dass  die KKW  kostengünstigen Strom erzeugen (Vorjahr 63%). Von der Sicherheit der Kernkraftwerke ist denn auch mit 71% (VJ 78%) nach wie vor die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer überzeugt  –bei den Deutschschweizern sind es sogar 74%. Sie anerkennen damit die hohe Sicherheitskultur der Schweizer KKW, die auch der EU-Stresstest von 2012 bestätigte. Konsequenterweise sprechen sich 66% (VJ 70%) der Befragten daher gegen eine Begrenzung der Laufzeiten aus: die Schweizer KKW so lange betrieben werden sollen, wie sie sicher sind.

Keine Abstriche am Klimaschutz bei der Energiewende

Klare Ansprüche haben die Befragten auch an die Energiewende: 88% der Befragten (VJ 89%) sind der Meinung, dass die Energiewende die Versorgungssicherheit auf keinen Fall gefährden darf. Und für über drei  Viertel der Befragten (78%, VJ 79%) ist es ausgesprochen wichtig, dass mit der Energiewende die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland bei der Stromversorgung nicht grösser wird. Demgemäss soll unser Strom auch in Zukunft in der Schweiz erzeugt werden: drei von vier Befragten (75%, VJ 74%) befürworten erneut eine möglichst hohe Autonomie in der Stromversorgung. Schliesslich ist für 83% der Befragten wichtig, dass für die Energiewende keine Abstriche am Klimaschutz gemacht werden – was für die klimafreundliche Kernenergie spricht, denn sie ist mit 24g CO2/kWh Strom direkt nach der Wasserkraft (14g CO2/kWh) die klimafreundlichste Stromtechnologie der Schweiz. 

Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Leiter Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, patrick.jecklin@swissnuclear.ch.

19. November 2015

Kernkraftwerkbetreiber reichen Beschwerde gegen mangelhafte Jodtablettenverordnung ein

Die Anfang 2014 in Kraft gesetzte revidierte  Jodtablettenverordnung  enthält kontraproduktive  Vorschriften. Insbesondere das neue Verteilregime ist sachlich nicht zu stützen. Die Kernkraftwerke haben deshalb beim Bundesverwaltungsgericht gemeinsam die im Juni 2014 angekündigte Beschwerde gegen die Verfügung der Armeeapotheke eingereicht.

Am 19. Oktober 2015 erhielten  die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke eine Verfügung  der Armeeapotheke  zur Bezahlung von Jodtabletten gemäss den Vorschriften der revidierten Jodtablettenverordnung. Wie im Juni 2014 angekündigt haben die Betreiber der Kernkraftwerke rechtliche Schritte gegen das neue Verteilregime unternommen:  Am 19.11.2015 reichten sie eine entsprechende Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht ein.

Die Jodtablettenverordnung regelt die Versorgung der Bevölkerung mit Kaliumiodid-Tabletten für den sehr unwahrscheinlichen Fall eines schweren Unfalls mit Freisetzung bedeutender Mengen an radioaktiven Stoffen. Bislang wurden Jodtabletten im Umkreis von 20 Kilometern um ein Kernkraftwerk an alle Haushalte, Schulen und Firmen verteilt. Für die weiter entfernte Bevölkerung wurden sie zentral gelagert. Die revidierte Verordnung sieht neu vor, dass die Jodtabletten auch im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um ein Kernkraftwerk feinverteilt werden.

Die Kernkraftwerksbetreiber anerkennen die Bemühungen des Bundes, den Notfallschutz entlang der Empfehlungen der interdepartementalen Arbeitsgruppe des Bundes zur Überprüfung der Notfallschutzmassnahmen bei Extremereignissen (IDA NOMEX) zu stärken. Eine angemessene Bereitstellung von Jodtabletten ist daher unbestritten. Die Betreiber wehren sich jedoch dagegen, dass der Aufwand für die Feinverteilung bis 50 km ohne jeglichen Sicherheitsgewinn mehr als verdreifacht und dabei die Bevölkerung unnötig verunsichert wird.

Sicherheit und Schutz der Bevölkerung müssen weiterhin oberste Priorität beim Betrieb von Kernkraftwerken haben. Deshalb fordert swissnuclear nun auf rechtlichem Wege, dass das Verteilregime nochmals und ohne Zeitdruck geprüft wird.

Hintergrundinformationen:

Medienmitteilung vom 3. Juni 2014

Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Leiter Kommunikation, Tel. 062 205 20 14, patrick.jecklin@swissnuclear.ch

25. März 2015

Revision der Kernenergiehaftpflicht-Verordnung: Unnötige Verschärfung der Transportdeckung

Olten, 25.03.2015. Die internationalen Übereinkommen über die Haftung auf dem Gebiet der Kernenergie behandeln nukleare Transporte nicht als separates Risiko, sondern sehen dafür eine reduzierte Versicherungsdeckung vor. Der Bundesrat hat diese Übereinkommen ratifiziert. Er verschärft nun mit der Verabschiedung der revidierten Kernenergiehaftpflichtverordnung (KHV) die Deckungspflicht für nukleare Transporte – jeder Transport muss in Zukunft separat versichert werden. Die neue Regelung ist sachlich falsch, widerspricht Sinn und Geist der internationalen Übereinkommen, welche die Betreiber unterstützen, und hat keine gesetzliche Grundlage.

Für den Bundesrat spielen die Schweizerischen Kernkraftwerke im Rahmen der Energiestrategie 2050 eine tragende Rolle. Dies schreibt er in der Botschaft zum ersten Massnahmenpaket. Umso unverständlicher ist, dass der Bundesrat laufend die Rahmenbedingungen für die Kernenergie auf dem Wege der Verordnungsrevision verschlechtert. Dies ist auch mit der revidierten KHV der Fall, die der Bundesrat heute verabschiedet hat.

Revidierte KHV widerspricht Sinn und Geist der internationalen Übereinkommen

Im Jahre 2008 wurde das Kernenergiehaftpflichtgesetz (KHG), welches der Verordnung zugrunde  liegt, revidiert. Dies einzig deshalb,  um die Revisionsprotokolle zum Pariser Übereinkommen und zum Brüsseler Zusatzübereinkommen über die Haftung auf dem Gebiet der Kernenergie sowie das dazugehörige Gemeinsame Protokoll umzusetzen. Diese Übereinkommen sehen keine Separierung und Kumulierung des Transportrisikos vor, ganz im Gegenteil: Die internationalen Übereinkommen wollen vielmehr ermöglichen, für die Haftung und Deckung von Transportrisiken geringere Mindestbeträge vorzusehen als für Kernanlagen. Obschon der Bundesrat in seiner Botschaft zur Revision des KHG an mehreren Stellen selber auf diese Möglichkeit hinweist, beschliesst er mit der neuen Verordnung genau das Gegenteil. Aus Sicht der Branche hat diese Verschärfung keine gesetzliche Grundlage.

Trennung des Transportrisikos unnötig

Die Betreiber unterstützen die internationalen Übereinkommen und damit auch die Anpassung der Deckungssummen. Sachlich völlig unverständlich und für die Branche nicht nachvollziehbar ist jedoch die Verschärfung, welche die revidierte Verordnung vorsieht: Sie belastet die Inhaber von Kernanlagen bis zum Ende der Laufzeit mit unnötigen zusätzlichen Prämienkosten. Dies, weil die Deckungspflicht für nicht schwachaktive nukleare Transporte verschärft wird, indem jeder einzelne Transport als separater Haftungstatbestand der gleich hohen Deckungssumme unterstellt werden muss wie der Betrieb einer Kernanlage.

Die zunehmende Erschwerung der Rahmenbedingungen für die Kernenergie auch und gerade durch die revidierte KHV reduziert die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Stromwirtschaft einmal mehr.

02. März 2015

Ein sicherer Wert: Strom aus Schweizer Kernkraftwerken

Olten, 3. März 2015. Zuverlässig versorgten die fünf Schweizer Kernkraftwerke im Jahr 2014 die Schweiz rund um die Uhr mit wertvoller Bandenergie. Dank des reibungslosen Betriebs gaben sie netto insgesamt 26,412 Milliarden Kilowattstunden (kWh) klimafreundlichen Strom ans Netz ab – das sind knapp sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Schweizer Kernkraftwerke können auf ein erfreuliches Jahr zurückblicken.  Nach drei aufgrund von grösseren Erneuerungsarbeiten leicht produktionsschwächeren Jahren stieg die Produktion wieder an. Insgesamt wurden 26‘412‘746‘000 kWh Strom ins Übertragungsnetz abgegeben. Zudem lieferten die Anlagen Beznau  (21,5 Mio. kWh) und Gösgen (59,1 Mio. kWh) insgesamt 80,6 Millionen kWh Energie (Vorjahr 77,1 Mio. kWh) in Form emissionsfreier Fernwärme an zahlreiche regionale Haushalte und Gewerbebetriebe.

Zuverlässiger Betrieb

Der Anlagenbetrieb verlief insgesamt planmässig. Alle meldepflichtigen Vorkommnisse waren ohne Bedeutung für die Sicherheit. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) beurteilte den Betrieb der Schweizer Kernkraftwerke 2014 wie in den Vorjahren als sicher. Der Schutz von Personal und Bevölkerung vor Strahlung war jederzeit gewährleistet. Die Abgaben radioaktiver Stoffe lagen wie jedes Jahr deutlich unter den tiefen gesetzlichen Grenzwerten.

Es waren kaum ungeplante Betriebsunterbrüche zu verzeichnen:  Im Block 1 des KKW Beznau (KKB) erforderte die Reparatur einer Entleerungsleitung im primären Nebenkühlwasser eine Abstellzeit von rund  15 Tagen. Das KKW Leibstadt (KKL) stand aufgrund einer automatischen Reaktorabschaltung einen Tag still.

Gezielte Investitionen

Seit ihrer Inbetriebnahme investieren die Schweizer Kernkraftwerksbetreiber regelmässig in die Sicherheit und Modernisierung der Anlagen. Jede Anlage führte im Verlauf des Sommers 2014 umfangreiche planmässige Revisions- und Instandhaltungsarbeiten mit Brennelementwechsel durch. Dazu kamen verschiedene zusätzliche Arbeiten:

  • Beznau1&2: Vorbereitungsarbeiten für die Grossprojekte AUTANOVE (Autarke Notstromversorgung), HERA (Ersatz Deckel Reaktordruckbehälter) und NEXIS (Ersatz Anlageinformationssystem). Diese neuen Systeme und Komponenten werden im 2015 eingebaut.
  • Mühleberg: Verschiedene Nachrüstungen und vertiefte Prüfungen am Kernmantel – die Stabilität im Normalbetrieb wie im Störfall ist weiterhin gegeben.
  • Leibstadt: Ersatz der Sicherungsanlage abgeschlossen, diverse Vorbereitungen für kommende Grossprojekte.
  • Gösgen: Modernisierung der Reaktorleittechnik, Ersatz zweier Niederdruckvorwärmer und Optimierung des Hochwasser- und Erdbebenschutzes.

Hohe Verfügbarkeit

Die Arbeitsausnutzung der fünf Kernreaktoren lag im Jahr 2014 bei 92 Prozent (Vorjahr 86,4 Prozent), ihre Zeitverfügbarkeit bei 92,8 Prozent. Die Anlage in Mühleberg wies mit 93 Prozent sogar die höchste Zeitverfügbarkeit seit ihrer Inbetriebnahme aus. Diese weltweiten Spitzenwerte belegen den guten Zustand der Schweizer Kernkraftwerke und ihre Bedeutung für die zuverlässige Versorgung der Schweiz mit kostengünstiger Bandenergie.

Attraktive Arbeitgeber

Die Schweizer Kernkraftwerke beschäftigten im Jahr 2014 rund 2000 gut qualifizierte Personen (1922,1 Vollzeitstellen), die sich täglich für den reibungslosen Betrieb der Anlagen engagieren. 57 Jugendliche standen in einer Berufsausbildung, darunter Elektroniker, Polymechaniker, Kaufleute, Laboranten, Hauswirtschafterinnen. Nach wie vor interessieren sich Arbeitnehmer jeden Alters für eine Tätigkeit in den Werken. Allein das Kernkraftwerk Leibstadt konnte im 2014 aufgrund des aktuellen Generationenwechsels 31 Stellen neu besetzen.

Erfreuliche Anerkennung

Die Grundhaltung der Bevölkerung  gegenüber den Schweizer Kernkraftwerken bleibt positiv: Wie eine jährlich durchgeführte repräsentative  Umfrage  (Eckwertstudie, durchgeführt von DemoSCOPE im Auftrag von swissnuclear) im Herbst 2014 zeigt, sind gut 77 Prozent der Befragten von der Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke überzeugt. Rund drei Viertel aller Befragten wollen zudem keine Abstriche an der Autonomie in der Stromversorgung hinnehmen, zu der die Kernkraftwerke massgeblich beitragen. Eine wachsende Mehrheit von nunmehr 70 Prozent will darum auch die Vorteile der Kernenergie möglichst lange nutzen und die Kernkraftwerke so lange laufen sollen, wie sie sicher sind. Erfreulich war auch, dass 45‘000 Personen das Informationszentrum eines Kernkraftwerks besuchten.

Produktionszahlen der Schweizer Kernkraftwerke 2014 im Detail (inkl. Wärmeabgabe)

 

Brutto MWh

Netto MWh

Ausnutzung in %

 

2014

2013

2014

2013

2014

2013

KKB1

3'044'014

3’207’260

2'920'610

3'078'447

91,4

96,3

KKB2

3'180'159

3'012'887

3'053'517

2'892'030

95,5

90,5

KKM

3'154'840

3'067'590

3'040'059

2'954'713

92,3

89,8

KKG

8'452'176

6'772'897

8'021'577

6'410'198

92.1

74,7

KKL

9'908'386

10'148'044

9'457'597

9'691'674

88,71

90,9

Total CH

27'739'575

26'208'678

26‘493‘360

25'027'062

92

88,37

Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Leiter Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, patrick.jecklin@swissnuclear.ch.

03. Dezember 2014

Neuste Umfrageresultate zur Kernenergie 2014

Mehr als drei Viertel der Schweizer Bevölkerung sind von der Sicherheit der schweizerischen Kernenergie überzeugt. Dies sind die ersten Resultate der neusten Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Demoscope im Auftrag von swissnuclear im Oktober 2014 durchgeführt hat. Genau 70% möchten, dass die Kernkraftwerke so lange betrieben werden, wie sie sicher sind.

Zum 15. Mal in Folge führte das Markforschungsinstitut Demoscope im Auftrag von swissnuclear eine breit abgestützte, repräsentative Befragung durch. An der Umfrage nahmen 2200 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz sowie aus dem Tessin teil. Ziel der jährlichen Umfrage ist, die Grundstimmung der Schweizerinnen und Schweizer bezüglich der Kernenergie zu messen.

Insgesamt ist gegenüber der Kernenergie eine positive Grundhaltung festzustellen:

  • Dass es die Schweizer Kernkraftwerke braucht, ist seit Beginn der Erhebungen im Jahre 2001 unbestritten. Daran ändert auch die Debatte um die Energiestrategie 2050 nichts: 63.5% sind davon überzeugt, dass die bestehenden Kernkraftwerke für die Stromversorgung der Schweiz notwendig sind.
  • 77.6% der Befragten sind von der Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke überzeugt. Dieser Wert ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.
  • 74% wollen eine genügende Autonomie in der Stromversorgung, zu der die Kernkraftwerke massgeblich beitragen.
  • Eine wachsende Mehrheit will darum auch die Vorteile der Kernenergie möglichst lange nutzen und erteilt der politischen Diskussion nach einer Befristung der Laufzeiten eine klare Absage: 70% finden, dass die KKW so lange laufen sollen, wie sie sicher sind (Vorjahr 68%).

Angesichts dieser klaren und deutlichen Vorstellungen zur Stromzukunft überrascht es nicht, dass 77.5% der Schweizerinnen und Schweizer über Energiewende und Atomausstieg an der Urne abstimmen möchten.
Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Leiter Kommunikation swissnuclear, Tel. 062 205 20 10, patrick.jecklin@swissnuclear.ch.

18. September 2014

Philippe Renault ist neuer Leiter der Geschäftsstelle von swissnuclear

Olten, 19.09.2014. Dr. Philippe Renault ist zum neuen Leiter der Geschäftsstelle swissnuclear gewählt worden. Der promovierte Bauingenieur, der bereits seit 2008 bei swissnuclear arbeitet, tritt sein neues Amt am 1. Oktober an. Renault folgt auf den bisherigen Leiter Dr. Philipp Hänggi, der zur BKW wechselte.

Der neue Leiter von swissnuclear, Dr. Philippe Renault,  ist ein ausgewiesener Erdbebenspezialist: Seit Januar 2008 leitet er die Struktur- Gefährdungsanalysen bei swissnuclear, darunter  auch das Projekt PEGASOS (Probabilistische Erdbeben-Gefährdungs-Analyse für die KKW-StandOrte in der Schweiz). Philippe Renault eignete sich im Rahmen seiner Arbeit für swissnuclear ein umfangreiches Wissen zur Kernenergie an und ist mit der Schweizer Kernenergiebranche und den Behörden gut vertraut. Er bringt damit beste Voraussetzungen mit, um die Geschäftsstelle kompetent zu leiten und die Interessen von swissnuclear im In- und Ausland engagiert zu vertreten.

Dr. Philippe Renault ist deutscher sowie französischer Staatsbürger und stammt aus Baden-Württemberg. Er studierte und promovierte an der RWTH Aachen, ist 37 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

Herr Renault übernimmt die Nachfolge von Dr. Philipp Hänggi, der die Geschäftsstelle aufgebaut und während zehn Jahren geleitet hat. Hänggi wechselte per 1. September zur BKW als Leiter Nuklear. Er wird in dieser Funktion weiterhin mit swissnuclear zusammenarbeiten, indem er die BKW im Vorstand der Fachgruppe Kernenergie vertritt.

Für weitere Auskünfte: Michaël Plaschy, Präsident swissnuclear, Tel. 062 286 72 02.

swissnuclear ist die Fachgruppe Kernenergie der swisselectric (www.swisselectric.ch). swissnuclear setzt sich aus Vertretern der schweizerischen Stromverbundunternehmen Alpiq, Axpo, BKW und CKW zusammen. Sie engagiert sich für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz. Die Mitglied-Unternehmen betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 40% des Strombedarfs der Schweiz produzieren. Mit der Zwilag und der Nagra sind die Mitglied-Unternehmen an Gesellschaften beteiligt, die sich für eine umwelt- und sachgerechte Entsorgung der radioaktiven Abfälle einsetzen.

03. Juni 2014

Überstürzte, kontraproduktive Vorschriften – Kernkraftwerkebetreiber erheben Beschwerde gegen revidierte Jodtablettenverordnung

Olten, 03.06.2014. Übereilt und ohne die laufenden Abklärungen zum Notfallschutz abzuwarten, hat der Bundesrat die revidierte Jodtablettenverordnung Anfang Jahr in Kraft gesetzt. Das darin verankerte neue Verteilregime erhöht den Schutz der Bevölkerung nicht: Jodtabletten im Umkreis von 20-50 Kilometern um ein Kernkraftwerk neu an alle Haushalte direkt abzugeben statt sie wie bisher zentral zu lagern, verunsichert die Bevölkerung und ist basierend auf den neusten Gefährdungsanalysen des ENSI eher kontraproduktiv. Gerade bei Extremszenarien sind eine zentrale Lagerung sowie eine geschützte Lagerung in Schulen und Kindergärten effektiver. Deshalb erheben die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke Beschwerde gegen die revidierte Verordnung.

Die Jodtablettenverordnung regelt die Versorgung der Bevölkerung mit Kaliumiodid-Tabletten für den Fall einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen. Bislang wurden Jodtabletten im Umkreis von 20 Kilometern um ein Kernkraftwerk an alle Haushalte, Schulen und Firmen verteilt. Für die weiter entfernte Bevölkerung wurden sie zentral gelagert. Die am 22. Januar 2014 in Kraft gesetzte Revision der Verordnung sieht neu vor, dass die Jodtabletten auch im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um ein Kernkraftwerk feinverteilt werden. Damit sollen die Tabletten neu an rund 4,3 Millionen statt wie bisher 1,2 Millionen Personen feinverteilt werden.

Sicherheit und Schutz der Bevölkerung haben oberste Priorität beim Betrieb von Kernkraftwerken. Deshalb anerkennen die Kernkraftwerksbetreiber die Bemühungen des Bundes, den Notfallschutz entlang der Empfehlungen der interdepartementalen Arbeitsgruppe des Bundes zur Überprüfung der Notfallschutzmassnahmen bei Extremereignissen (IDA NOMEX) zu stärken. Eine angemessene Bereitstellung von Jodtabletten ist daher unbestritten. Die Betreiber wehren sich jedoch dagegen, dass der Aufwand ohne Sicherheitsgewinn mehr als verdreifacht und die Bevölkerung verunsichert wird. 

Überstürzte Inkraftsetzung

Die Revision enthält in verschiedener Hinsicht Mängel und wurde ohne stichhaltigen Grund übereilt in Kraft gesetzt:

  • So hatte die Verwaltung ihre eigenen Grundlagenarbeiten für die Verteilung der Jodtabletten (Referenzszenarien) im Rahmen der IDA NOMEX noch gar nicht abgeschlossen, als die Verordnung in Kraft gesetzt wurde. Methodisch und inhaltlich korrekt gewesen wäre, zuerst die Resultate dieser Abklärungen abzuwarten.
  • Die Stellungnahmen der Kernkraftwerksbetreiber wurden nicht angemessen geprüft. Die Kernkraftwerksbetreiber sind der Ansicht, dass der aktuellen Verordnung teilweise die Rechtsgrundlage fehlt und dass sie das in der Verfassung verankerte Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt.
  • Es bestand bei der Revision der Verordnung kein Zeitdruck. In der Zone 3 (20 km bis Schweizer Grenze) wurden die Tabletten erst 2010  ausgetauscht. Nur die Tabletten in den Zonen 1 und 2 (bis 20 Kilometer) laufen 2014 ab und müssen, trotz weiter bestehender Wirkung der Tabletten, ersetzt werden. Dieser Ersatz war und ist unbestritten.
  • Ein weiteres Indiz für die schlecht vorbereitete Revision ist, dass sich die erste, zweite und finale Revisionsfassung in Bezug auf Verteilregime und Kostenverteilung erheblich unterscheiden.

Kontraproduktive Ausdehnung der Feinverteilung

Das neue Verteilregime ist sachlich nicht zu stützen. Der Schutz der Bevölkerung wird nur scheinbar erhöht, der Aufwand aber mehr als verdreifacht:

  • Die Analysen des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI haben gezeigt, dass die Vorverteilung ausserhalb der bestehenden 20 km-Zone weder nötig noch verhältnismässig ist. Der Bundesrat hat in der Verordnung seine selber in Auftrag gegebenen Analysen nicht genügend berücksichtigt.
  • Nur ein äusserst unwahrscheinliches Szenario mit einem Extremerdbeben könnte überhaupt eine Ausweitung der Verteilzone auf 50 Kilometer rechtfertigen. Aber gerade bei einem solchen Szenario wäre von der Zerstörung der meisten privaten Wohnbauten auszugehen. Der Zugriff auf die Jodtabletten wäre in den Trümmern kaum mehr möglich – erst Recht nicht im Zustand des Katastrophenschocks, in dem sich dann die meisten Menschen befinden dürften. Hingegen wären bei einer zentralen Lagerung sowie einer geschützten Lagerung in Schulen und Kindergärten der Zugriff und die Versorgung der betroffenen Bevölkerung weit eher sichergestellt. Die Vollversorgung der Bevölkerung durch eine Vorverteilung ist ein Trugschluss und dürfte sogar kontraproduktiv sein.
  • Der Bundesrat hat Bedenken, dass zentral gelagerte Tabletten bei Bedarf vorschriftsgemäss innert 12 Stunden verteilt werden könnten. Es fehlt jedoch der Beleg, dass die Feinverteilung hier irgendwelche Vorteile bringt. So kann eine Verteilung in notfalls etwas mehr als 12 Stunden vorteilhafter sein als vorgängig feinverteilte Tabletten, die beispielweise in durch Erdbeben beschädigten Wohnungen gänzlich unauffindbar sind.

Widerspruch zur internationalen Praxis

Gemäss der Europäischen Kommission werden Jodtabletten in 14 Ländern vorverteilt, in einigen auch gar nicht. Dabei werden Zonen von 5 km, 10 km und 20 km verwendet. Die Schweizer Kernkraftwerke haben im EU-weiten Stresstest die Spitzenplätze belegt. Hierzulande ist der Austritt von radioaktivem Jod mit Auswirkungen in der Zone 20-50 Kilometer aus sicherheitstechnischen Gründen äusserst unwahrscheinlich, nicht zuletzt wegen der in den 90-er Jahren nachgerüsteten gefilterten Druckentlastung. Deshalb ist ausgerechnet in der Schweiz eine Verteilung über die übliche 20-Kilometer-Zone hinaus auch im internationalen Kontext nicht nachvollziehbar und kontraproduktiv.

Branche fordert seriöse Prüfung des Verteilregimes

Weil die Sicherheit der Bevölkerung sehr wichtig ist, müssen die Bereitstellung und Verteilung der Jodtabletten ohne Zeitdruck geprüft werden. Nachdem die revidierte Jodtablettenverordnung aber verabschiedet ist, bleibt der Branche nur noch der Rechtsweg. 

Für weitere Auskünfte: Patrick Jecklin, Tel. 062 205 20 14, patrick.jecklin(at)swissnuclear.ch

swissnuclear ist die Fachgruppe Kernenergie der swisselectric (www.swisselectric.ch). swissnuclear setzt sich aus Vertretern der schweizerischen Stromverbundunternehmen Alpiq, Axpo, BKW, CKW und EGL zusammen. Sie engagiert sich für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz. Die Mitglied-Unternehmen betreiben die Schweizer Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg, die rund 40% des Strombedarfs der Schweiz produzieren. Mit der Zwilag und der Nagra sind die Mitglied-Unternehmen an Gesellschaften beteiligt, die sich für eine umwelt- und sachgerechte Entsorgung der radioaktiven Abfälle einsetzen.

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