Ergebnisse der Kostenstudie 2016 für die einzelnen Kernkraftwerke

Wie lauten die Ergebnisse der Kostenstudie 2016 für die einzelnen Kernkraftwerke?

Der aktuellen Beitragsfestlegung liegt eine konservative, in der Kostenstudie 2016 berechnete Kostenvarianten zugrunde. Sie umfasst den Rückbau der Kernkraftwerke bis zur grünen Wiese und geht von zwei getrennten geologischen Tiefenlagern für hochaktive resp. schwach- und mittelaktive Abfälle aus. Ein kombiniertes Tiefenlager für sämtliche Abfälle ist in dieser Variante als Chance auf Kostenminderung mit 50 % Eintretenswahrscheinlichkeit ausgewiesen.

Die Beitragsberechnung 2016 ist also äusserst vorsichtig angelegt. Sie bietet eine weitere Sicherheit, dass die von den Betreibern in die Fonds einbezahlten Mittel für ihren Zweck ausreichen werden.

Nachstehend sind die Ergebnisse der aktuellen Kostenstudien für Nachbetrieb, Stilllegung und Entsorgung zusammengefasst:

Nachbetrieb

Die Kostenstudie 2016 weist für die einzelnen Kernkraftwerke die folgenden Kosten für den Nachbetrieb aus (gerundet, in Mio. Franken, Preisbasis 2016):

Studien Beznau Mühleberg Gösgen Leibstadt Total
Kostenstudie 2016 462 339 434 468 1'703 Mio.
Kostenstudie 2011 512 344 490 496 1'841 Mio.
Differenz -9,7% -1,3% -11,6% -5,6% -7,5%

Die Höhe der Nachbetriebskosten ist leicht gesunken. Einerseits verkürzt die präzisierte Planung des Nachbetriebs die Nachbetriebsdauer – von fünf auf vier Jahre für die Kernkraftwerke Beznau und Leibstadt und auf drei Jahre für das Kernkraftwerk Gösgen. Andererseits konnten Erfahrungswerte statt Pauschalen eingesetzt werden. Allfällige Verlängerungen oder Verkürzungen der Nachbetriebszeit werden als Gefahren oder Chancen in den Kosten berücksichtigt.

Stilllegung

Die Kostenstudie 2016 weist für die einzelnen Kernkraftwerke die folgenden Kosten für die Stilllegung aus (gerundet, in Mio. Franken, Preisbasis 2016, Variante Rückbau bis «Grüne Wiese»):

Studien Beznau Mühleberg Gösgen Leibstadt Zwilag Total
Kostenstudie 2016 948 588 859 1085 154 3'634 Mio.
(3'406 Mio. "Braune Wiese")
Kostenstudie 2011 872 524 714 991 102 3'204 Mio.
Differenz 8,7% 12,2% 20,3% 9,4% 50,6% 13,4%
(6,3% für "Braune Wiese")

Der Anstieg gegenüber 2011 ist im Wesentlichen auf die inzwischen im Ausland gewonnene Erfahrung im Rückbau von Anlagen zurückzuführen. Der Demontageaufwand und der Aufwand für die projektbegleitenden Massnahmen mussten im Vergleich zu den Annahmen in der KS11 nach oben korrigiert werden. Auch der erweiterte Betrachtungsumfang mit Kostenzuschlägen für Ungenauigkeiten und Risiken wirkt sich kostenerhöhend aus. Ebenso die Änderung des Stilllegungsziels: Während dieses in der KS11 der Rückbau auf -2 Meter unter Geländeoberkante war, so ist es neu die komplette Wiederherstellung des Geländes inkl. Rückbau aller Fundamente: der Rückbau bis zur «Grünen Wiese». Der Rückbau bis zur Braunen Wiese, also Abschluss der Stilllegungsarbeiten und Entlassung der Standorte aus dem Kernenergiesetz, wird in der Kostenberechnung nur als Variante ausgewiesen. Ebenso ergibt sich auch die grosse Differenz beim Kostenanteil des ZWILAG aus der Änderung des Stilllegungsziels neu auf «Grüne Wiese» (Basis KS11: «Braune Wiese»). Kostenreduzierend wirken hingegen Optimierungen im Ablauf und in der Organisation der Rückbauprojekte.

Entsorgung
Die Kostenstudie 2016 weist für die einzelnen Kernkraftwerke die folgenden Kosten für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus (gerundet, in Mio. Franken, Preisbasis 2016, Variante getrenntes Lager):

Studien Beznau Mühleberg Gösgen Leibstadt Bund Total
KS16 mit Chance Kombilager 4'546 2'066 5'105 5'471 1'108 18'362 Mio.
KS16 ohne chance Kombilager 4'717 2'155 5'316 5'736 1'187 19'176 Mio.
KS11 4'330 1'927 5'333 5'244 792 17'626 Mio.
Diferenz 89 11,8% -0,3% 9,4% 49,9 8,8%

Der Anstieg der Entsorgungskosten entsteht hauptsächlich durch die Einführung der Kostengliederung. Sie schliesst Kostenzuschläge für Prognoseungenauigkeiten und Risiken ein, die in den früheren Kostenstudien nicht derart umfassend berücksichtigt wurden. Auch wirkt sich kostenerhöhend aus, dass das Basisprojekt für die geologischen Tiefenlager infolge des Partizipationsverfahrens in Etappe 2 des Sachplanverfahrens angepasst wurde. Da nun die geologischen Tiefenlager später in Betrieb gehen werden als ursprünglich geplant, verlängert sich die Betriebsdauer der Zwischenlager. Damit steigen sowohl die Kosten für die Zwischenlagerung wie auch für die Transporte.

Auffällig stark sind die Entsorgungskosten des Bundes gestiegen: Es zeigte sich, dass die Abfälle aus der Forschung eine höhere Toxizität aufweisen als in der KS11 angenommen. Da die Lagerplatzkosten für solche schwach- und mittelaktiven Abfälle nach Volumen und Toxizität berechnet werden, steigen auch die Kosten für den Bund dementsprechend. Zudem ist für das SMA-Lager neu eine aufwändige und entsprechend kostentreibende Zugangsrampe vorgesehen. Für den Bund fällt der Kostenanteil vergleichsweise hoch aus, da er rund ein Viertel des SMA-Lagers in Anspruch nimmt.

Mehr zu den Änderungen bei den Kostenstudien hier.