Reserven für Unvorhergesehenes

Gibt es Reserven für den Fall unvorhergesehener Mehrkosten und von Verzögerungen bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle?
Die Kostenstudien und die Annahmen über den Zeitpunkt des Auftretens der zukünftigen Kosten werden im Licht des jeweils aktuellen Kenntnisstands vorsichtig nach dem Best-Estimate-Prinzip und bestem Expertenwissen vorgenommen. Die Kostenstudien werden zudem alle fünf Jahre aktualisiert. Dadurch trägt man den unvermeidlichen Unsicherheiten bei der Schätzung Rechnung. Denn der Stand, von technischem Wissen und internationaler Erfahrung bei Stilllegungs- und Entsorgungsprojekten wächst konstant, während die Unsicherheiten abnehmen. Das Kostenrisiko wird daher im Laufe der Zeit immer kleiner.

Auch falls dennoch unvorhergesehene Mehrkosten auftreten, tragen die Betreiber der Kernkraftwerke das Risiko. Wird ein Betreiber zahlungsunfähig, so werden die anderen Betreiber von Kernkraftwerken nachschusspflichtig. Der Staat steht erst am Ende der sechsstufigen Haftungskaskade. Erst wenn diese Nachschüsse für einen Betreiber wirtschaftlich nicht tragbar sind, entscheidet die Bundesversammlung, ob und in welchem Ausmass sich der Bund an den Kosten beteiligt.

Dass alle Absicherungen des Gesetzgebers versagen und am Schluss ungedeckte Kosten übrigbleiben, ist daher ausserordentlich unwahrscheinlich. Die durch den Bund gesetzten Sollwerte in den Fonds werden erreicht, beide Fonds sind auf Kurs.

Unnötiger Sicherheitszuschlag

Trotz diesen mehrfachen Mechanismen zur Minimierung des Kostenrisikos erhebt der Bund ab 2015 einen Sicherheitszuschlag von 30% auf die Stilllegungs- und Entsorgungskosten. Stilllegung und Entsorgung kosten damit zwar immer noch genau gleich viel wie vor dieser ersten Revision der Stilllegungs- und Entsorgungsverordnung. Mit dem Sicherheitszuschlag zwingt der Bund die Kernkraftwerksbetreiber jedoch, mehr Reserven als nötig anzusparen.

Verzögerungen bei den Tiefenlagern
Allfällige Verzögerungen bei Bau und Betrieb der Tiefenlager führen nicht automatisch zu Mehrbelastungen für die Betreiber. Die durch eine Verzögerung zusätzlich anfallenden Zinserträge auf den Fondsvermögen wirken den Mehrkosten einer verlängerten Planungsphase entgegen.