Kostenstudien

Die voraussichtliche Höhe der Stilllegungs- und Entsorgungskosten wird im Auftrag der vom Bund eingesetzten Verwaltungskommission geschätzt. Diese Schätzungen, die so genannten Kostenstudien, bilden die Grundlage für die Berechnung der Rückstellungen und der Beiträge, welche die Betreiber der Kernkraftwerke in die Fonds für Stilllegung und Entsorgung einzuzahlen haben.

Seit 2006 führt swissnuclear die Kostenstudien im Auftrag der Kernkraftwerkbetreiber alle fünf Jahre neu durch. Anfänglich war dies Aufgabe des Kostenausschusses der Kernkraftwerke (UAK). Die jüngste Kostenstudie für die Schweizer Kernkraftwerke wurde Ende 2016 fertiggestellt.

Die Modalitäten und Eckwerte für die Berechnungen der Kostenstudien hat der Bundesrat klar und detailliert in der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung (SEFV) festgelegt. Weitere wichtige Randbedingungen und Parameter gab bislang auch die Verwaltungskommission vor. Für die nächste Kostenstudie im Jahr 2021 wird das UVEK diese Aufgabe übernehmen. Eine weitere verbindliche Grundlage für die Kostenstudien bildet das durch den Bundesrat genehmigte Entsorgungsprogramm der Nagra.

Der Kostenausschuss, ein beratendes Expertengremium der Verwaltungskommission, begleitet die Kostenstudien, beurteilt die Ergebnisse und gibt der Kommission Empfehlungen für die nächste Kostenstudie ab. Er setzt sich mehrheitlich aus Personen zusammen, die nicht im Auftrag der Kernkraftwerkbetreiber oder der Nagra arbeiten. Die Entsorgungspflichtigen und die Nagra bringen aber ihr Fachwissen ein.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSIüberprüft die Kostenstudien einschliesslich aller Annahmen und Berechnungen. Dafür zieht das ENSI auch externe nationale und internationale Experten bei. Dieser Prozess dauert rund ein Jahr. Zudem werden die Kostenstudien von erfahrenen, internationalen Kostenexperten überprüft. Im Anschluss legt jeweils das UVEK auf Antrag der Verwaltungskommission die Jahresbeiträge an die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für die neue Veranlagungsperiode fest. Für die Periode 2017–2021 wird dies bis Mitte 2018 geschehen. 

Robuste Methodik

Die Kostenstudien entstehen nach bestem Wissen und Gewissen der involvierten internen und externen Fachleute aus dem In- und Ausland. Diese Fachleute erstellen die Kostenstudien nach einem detaillierten technisch-wissenschaftlichen Konzept, dem neuesten Stand des Wissens und einem klaren zeitlichen Ablauf der Tätigkeiten. Die Werte in den Kostenstudien selbst beruhen einerseits auf Angaben der Betreiber der einzelnen Kernkraftwerke, berücksichtigen aber auch Erfahrungswerte aus dem Ausland (insbesondere z.B. auf bereits zurückgebauten Anlagen in Deutschland).

Die von den Behörden gesetzten Vorgaben tragen auch den langen Zeiträumen (über 100 Jahre) Rechnung, für welche die Berechnungen durchgeführt werden. Die langfristig angestrebte durchschnittliche Realrendite des Fondskapitals beträgt 2% jährlich (nominale Anlagerendite abzüglich Teuerung). Die bisherigen Erfahrungen mit dem 1984 gegründeten Stilllegungsfonds zeigen, dass diese Realrendite langfristig erzielt werden kann.

Jede Kostenstudie weist den Aufwand zu aktuellen Marktpreisen aus, d.h. zu jenen Kosten, die anfallen würden, wenn die Arbeiten heute ausgeführt würden («Overnight»-Kosten).

Das in der Schweiz gewählte Verfahren mit periodischer Neueinschätzung des zukünftigen Aufwands liefert fundierte Zahlen. Denn neben den Basiskosten werden auch Prognoseunsicherheiten und Risiken detailliert ausgewiesen. Die Berechnungen tragen also Schätzungsunsicherheiten (z.B. Änderungen von Massen, Stundenaufwänden, Materialpreisen) sowie Gefahren und Chancen (z.B. Kostensteigerungen aufgrund von Gesetzesverschärfungen oder auch Kostensenkungen durch Prozessoptimierung) umfassend Rechnung.

Um Unsicherheiten mit der Zeit systematisch zu reduzieren, werden die Kostenstudien alle fünf Jahre nach dem neuesten Wissensstand überprüft und aktualisiert. Bei Bedarf werden die Beitragszahlungen angepasst. Dieses periodische Aktualisieren stellt zudem sicher, dass die weltweit stetig zunehmenden praktischen Erfahrungen bei Stilllegungs- und Entsorgungsprojekten in die Kostenstudien einfliessen. Dieses System hat sich langfristig bewährt. Die durch den Bund gesetzten Sollwerte in den Fonds werden erreicht; beide Fonds sind auf Kurs.

Keine Interessenkonflikte

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Schätzungen der Stilllegungs- und Entsorgungskosten unter anderem auf Daten und Annahmen der Kernkraftwerkbetreiber basieren müssen. Sie sind die Experten, und eine unabhängige externe Stelle könnte kaum genauer schätzen.

Ohnehin müssen die Betreiber der Kernkraftwerke die Kosten für Stilllegung und Entsorgung ihrer Anlagen in jedem Fall tragen. Das ist ihre gesetzliche Pflicht. Sie sind somit die eigentlichen Risikoträger. Reichen die in den Fonds sichergestellten Mittel nicht, müssen die Betreiber die Lücke mit eigenen Mitteln decken. Sollte dies einem Betreiber nicht möglich sein, greift eine Nachschusspflicht der übrigen Kernkraftwerkbetreiber.

Aus diesem Grund haben die Kernkraftwerkbetreiber keine Veranlassung, die Kosten absichtlich tief zu schätzen. Vielmehr haben sie ein Interesse daran, die Kosten von Stilllegung und Entsorgung bereits heute, da die Kraftwerke noch in Betrieb sind, in die Stromproduktionskosten einzuberechnen.